| Gabriele Yonan (Hrsg.)
Im Visier der Stasi Jehovas Zeugen in der DDR In der ehemaligen DDR gehörten Meinungs- und Religionsfreiheit zu den verfassungsmäßig garantierten Grundrechten. Trotzdem war die christliche Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas während der 40 Jahre SED-Diktatur im Osten Deutschlands verboten. Hauptinstrument der staatlichen Repressionen war die Stasi – das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Die Autoren dokumentieren die Auswirkungen mangelnder Toleranz und fehlender rechtsstaatlicher Freiheit, die zur Verfolgung Andersdenkender führt. Das Spektrum der geheimdienstlichen Bearbeitung der Zeugen Jehovas in der DDR reichte von „Ermittlungen“ zur Vorbereitung von Strafverfahren bis zur „Zersetzung“ der Untergrundorganisation. In dem vorliegenden Band wird auch die Rolle von ehemaligen Zeugen Jehovas wie Paul Balzereit, Manfred Gebhard, Dieter Pape und Willy Müller beleuchtet. Sie waren willige Erfüllungsgehilfen der SED-Diktatur und unterstützten die Arbeit des MfS. So veröffentlichte die Stasi im Jahre 1970 im Urania-Verlag der DDR das Buch „Die Zeugen Jehovas – Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft“, für das Manfred Gebhard (Stasi-Deckname „Kurt Berg“) als Herausgeber auftrat. Von 1959 bis 1989 arbeitete unter der Leitung von Stasi-Offizieren die sogenannte „Studiengruppe ‚Christliche Verantwortung‘“ (CV) in Gera, die auch eine gleichnamige Monatsschrift herausgab. Dieses Material wurde per Post an zahlreiche Zeugen Jehovas in der DDR versandt, um ihren Glauben zu untergraben; dies jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Als offizieller Herausgeber trat über viele Jahre Willy Müller aus Gera in Erscheinung – ein ehemaliger Zeuge Jehovas, der beim MfS als inoffizieller Mitarbeiter (IM) beschäftigt war. Ein später Triumph für die Stasi: Noch heute sind Hetzschriften, die einst unter Federführung des MfS entstanden, eine zitierfähige Quelle für sogenannte „Sektenexperten“ in der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.
Aus dem Inhalt:
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ISBN 3-00-005626-2 ca. 352 Seiten, DIN A 5, Paperback |
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