"... um der biblischen Wahrheit willen im KZ"
Max Hollwegs Lebensbericht ist gekennzeichnet durch seine Zugehörigkeit zu
den Zeugen Jehovas. Sein Glauben spielt für ihn selbst und im Verhältnis
nach außen eine wichtige Rolle. Hollweg, 1910 in Remscheid geboren, geriet
mit dem NS-Regime bereits durch die Weigerung mit "Heil Hitler!" zu
grüßen, in Konflikt. 1938 wurde Hollweg ins Frankfurter
Untersuchungsgefängnis gebracht, einziger Grund: Bibelforscher. Nach einem
Vierteljahr Einzelhaft und Misshandlungen erfolgte der Transport in das KZ
Buchenwald. Ein SS-Mann fragte, warum er dort sei. Hollweg antwortete: "Weil
ich ein Zeuge Jehovas bin und auch bleiben werde."
Hollweg schildert auch das Leben im Lager und die Einstellung der
Gefangenen untereinander. Aufgrund der Weigerung, Wollkleidung für das
Militär anzufertigen, hatte er im Winter keine warme Kleidung. Versuche, sich
anders zu schützen, wurden bestraft. "Man ist Opfer und empfindet durch
eine Art Mitschuld für eine missliche Situation", beurteilt Hollweg die
damalige Lage. Die Zuverlässigkeit der Bibelforscher wurden seitens der SS
zwar geschätzt, andererseits waren sie dennoch "unbeschreiblichen
Grausamkeiten" ausgesetzt. 1940 kam Hollweg zusammen mit 89
Glaubensbrüdern ins Lager nach Wewelsburg. Auch hier half ihm seine
handwerkliche Grundausbildung. Zwischenzeitlich wurde er als Kapo eingesetzt.
Damit unterstand er einerseits direkt der SS-Lagerleitung, andererseits war er
"Vorgesetzter" über Mithäftlinge. "Nur mit Hilfe meines
Gottes Jehova kann ich diese neue und große Verantwortung tragen",
äußert Hollweg hierzu. Er musste selber Arbeiten verteilen, wobei er
Verbrechern die schwerere Arbeit aufbürdete. Ihm gelang es, Glaubenbrüder
aus anderen Kommandos in sein Kommando aufzunehmen.
Besonders interessant sind einzelne Begebenheit die Hollweg schildert.
Nicht ganz nachvollziehbar ist, weshalb ihm ein Kommandoführer befohlen hat,
dessen 9jährigen Sohn zu operieren. Offenbar genoss Hollweg großes
Vertrauen. Trotz schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigungen konnte Hollweg
die NS-Zeit überleben und wurde später als Heilpraktiker tätig.
Sichtbar wird auch Hollwegs Einstellung zu früheren Peinigern. Kurz nach
Kriegsende traf er zufällig einen Kommandoführer, der die Häftlinge
seinerzeit am Ende noch hatte liquidieren wollen- Hollweg versicherte ihm,
dass "Jehovas Zeugen keine Rache üben". Während eines Prozesses
trat Hollweg als Zeuge auf. Aus einem einst so stolzen SS-Mann war ein alter,
gebrochener Mann geworden. Hollweg vermochte nicht, "dieses menschliche
Wrack" zu belasten. Einem anderen wegen Mordes angeklagten ehemaligen
Oberscharfüher verhalf Hollweg vielleicht dadurch zum Freispruch, dass er
über dessen "heldenhaften" Umgang mit Jehovas Zeugen aussagte.
Das wichtigste an diesem Buch sind sicherlich die Ausführungen zu Hollwegs
Aufenthalten in den Konzentrationslagern in Buchenwald und Wewelsburg. Wenn
auch deutlich wird, dass er stets missionarisch wirkte, kann das Buch nicht
als missionarisch eingeschätzt werden. Äußerungen zu den "etablierten
Kirchen" finden sich letztlich nur zu Beginn des Buches.
Max Hollweg: Es ist unmöglich von dem zu schweigen, was ich erlebt
habe. Zivilcourage im Dritten Reich.
Bielefeld: Mindt 1997
Christoph Gann
Siehe auch:
Buchhandlung Mindt
ausführliche Beschreibung, Presseartikel über dieses Buch, Bestellmöglichkeit
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