Quelle: Informationen Studienkreis: Deutscher Widerstand, Rossertstraße 9, Frankfurt/Main Nr. 48, November 1998, 23. Jg., Seite 45

"... um der biblischen Wahrheit willen im KZ"

Max Hollwegs Lebensbericht ist gekennzeichnet durch seine Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas. Sein Glauben spielt für ihn selbst und im Verhältnis nach außen eine wichtige Rolle. Hollweg, 1910 in Remscheid geboren, geriet mit dem NS-Regime bereits durch die Weigerung mit "Heil Hitler!" zu grüßen, in Konflikt. 1938 wurde Hollweg ins Frankfurter Untersuchungsgefängnis gebracht, einziger Grund: Bibelforscher. Nach einem Vierteljahr Einzelhaft und Misshandlungen erfolgte der Transport in das KZ Buchenwald. Ein SS-Mann fragte, warum er dort sei. Hollweg antwortete: "Weil ich ein Zeuge Jehovas bin und auch bleiben werde."

Hollweg schildert auch das Leben im Lager und die Einstellung der Gefangenen untereinander. Aufgrund der Weigerung, Wollkleidung für das Militär anzufertigen, hatte er im Winter keine warme Kleidung. Versuche, sich anders zu schützen, wurden bestraft. "Man ist Opfer und empfindet durch eine Art Mitschuld für eine missliche Situation", beurteilt Hollweg die damalige Lage. Die Zuverlässigkeit der Bibelforscher wurden seitens der SS zwar geschätzt, andererseits waren sie dennoch "unbeschreiblichen Grausamkeiten" ausgesetzt. 1940 kam Hollweg zusammen mit 89 Glaubensbrüdern ins Lager nach Wewelsburg. Auch hier half ihm seine handwerkliche Grundausbildung. Zwischenzeitlich wurde er als Kapo eingesetzt. Damit unterstand er einerseits direkt der SS-Lagerleitung, andererseits war er "Vorgesetzter" über Mithäftlinge. "Nur mit Hilfe meines Gottes Jehova kann ich diese neue und große Verantwortung tragen", äußert Hollweg hierzu. Er musste selber Arbeiten verteilen, wobei er Verbrechern die schwerere Arbeit aufbürdete. Ihm gelang es, Glaubenbrüder aus anderen Kommandos in sein Kommando aufzunehmen.

Besonders interessant sind einzelne Begebenheit die Hollweg schildert. Nicht ganz nachvollziehbar ist, weshalb ihm ein Kommandoführer befohlen hat, dessen 9jährigen Sohn zu operieren. Offenbar genoss Hollweg großes Vertrauen. Trotz schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigungen konnte Hollweg die NS-Zeit überleben und wurde später als Heilpraktiker tätig.

Sichtbar wird auch Hollwegs Einstellung zu früheren Peinigern. Kurz nach Kriegsende traf er zufällig einen Kommandoführer, der die Häftlinge seinerzeit am Ende noch hatte liquidieren wollen- Hollweg versicherte ihm, dass "Jehovas Zeugen keine Rache üben". Während eines Prozesses trat Hollweg als Zeuge auf. Aus einem einst so stolzen SS-Mann war ein alter, gebrochener Mann geworden. Hollweg vermochte nicht, "dieses menschliche Wrack" zu belasten. Einem anderen wegen Mordes angeklagten ehemaligen Oberscharfüher verhalf Hollweg vielleicht dadurch zum Freispruch, dass er über dessen "heldenhaften" Umgang mit Jehovas Zeugen aussagte.

Das wichtigste an diesem Buch sind sicherlich die Ausführungen zu Hollwegs Aufenthalten in den Konzentrationslagern in Buchenwald und Wewelsburg. Wenn auch deutlich wird, dass er stets missionarisch wirkte, kann das Buch nicht als missionarisch eingeschätzt werden. Äußerungen zu den "etablierten Kirchen" finden sich letztlich nur zu Beginn des Buches.

Max Hollweg: Es ist unmöglich von dem zu schweigen, was ich erlebt habe. Zivilcourage im Dritten Reich.

Bielefeld: Mindt 1997

Christoph Gann

Siehe auch:

Buchhandlung Mindt
ausführliche Beschreibung, Presseartikel über dieses Buch, Bestellmöglichkeit

 

 
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