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ZEUGEN JEHOVAS
Verweigerung noch im KZ
Die Verfolgung der Zeugen Jehovas im Drittem Reich war Thema der
Veranstaltung "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und
Rechten" am Montag im Alten Rathaus.
GÖTTINGEN · Der Friseur Hans Gärtner wurde 1937 ins KZ Dachau
eingeliefert. Dort begann ein Martyrium, das drei Jahre dauerte. Weil er um
ein Stück Brot gebeten hatte, schnitt ihm ein Wachmann einen Finger ab.
Schließlich ließ man ihn einfach verhungern, bei seinem Tod wog er noch 40
Kilo. Der Grund für diese Strafen: Hans Gärtner gehörte den Zeugen Jehovas
an.
Die
Glaubensgemeinschaft, die sich damals noch "Ernste Bibelforscher"
nannte, war im Dritten Reich massivster Verfolgung ausgesetzt, weil ihre
Mitglieder den "Deutschen Gruß" und die Mitgliedschaft in den
NS-Massenorganisationen ablehnten. Vor allem aber verweigerten die männlichen
Mitglieder aus religiösen Gründen den Kriegsdienst. Das stufte der
faschistische Staat als ernste Bedrohung ein und reagierte zunächst mit einem
Verbot dieser Religion wegen "Hetze gegen staatliche Einrichtungen"
und "bolschewistischer Zersetzungsarbeit". Und schließlich mit
gnadenloser Verfolgung: Im 3. Reich waren die Zeugen Jehovas nach den Juden
die religiöse Gruppe mit den anteilsmäßig meisten Opfern: Allein 1200
deutsche Tode, davon rund 250 Wehrdienstverweigerer, hatten sie zu beklagen.
Erschossen,
erhängt, zu Tode geprügelt, oder, wie Hans Gärtner, schlicht verhungert. 10 000 Zeugen Jehovas
kamen ins Gefängnis, 2000 ins KZ. Selbst dort folgten sie oft noch ihrem
Gewissen und verweigerten trotz drakonischer Strafen die Mitarbeit in der
Rüstungsindustrie, was den Mitgefangenen Respekt abnötigte: "Am
mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas" ist deshalb der Titel
eines Sammelbands, in dem vom Historiker, Hans Hesse und seinem
Mitautoren Martin Guse (Hannover) die Verfolgung dargestellt wird.
Die
beiden Autoren lassen im Rahmen der Veranstaltungsrehe "Gedenken an die
Opfer des Nationalsozialismus - 27. Januar", veranstaltet von den Zeugen
Jehovas mit dem Kulturamt und der Buchhandlung Wortmann, Texte aus ihrem Buch,
die von den Ereignissen und Erlebnissen aus dieser Zeit berichteten. Und
dazwischen, als Kontrast, immer wieder der einzelne Artikel aus der
Deklaration der Menschenrechte.
Was aus
Würde und Rechten der Menschen nationalsozialistischen Staat wurde, ist
bekannt. Man vergisst jedoch leicht, und auch dran erinnerte diese Lesung,
dass nicht lediglich "der Staat" an der Verfolgung beteiligt war.
Ohne die Denunziation der "Volksgenossen", häufig auch aus
materiellen Interessen, wäre dieses Ausmaß der Verbrechen nicht möglich
gewesen.
Siehe auch:
"Am mutigsten waren immer
wieder die Zeugen Jehovas" - Hans Hesse (Hrsg.)
Buchbeschreibung
Hitlergruß standhaft
verweigert
Weser Kurier 9.3.99 - Bericht über den Dokumentationsband
von Hans Hesse "Am mutigsten waren immer die Zeugen Jehovas"
Rezension in Die Zeit, Nr. 33, 12. August
1999 Opfer-Randgruppe
Frankfurter Allgemeine Zeitung,
Dienstag, 26. Oktober 1999
»Am mutigsten waren immer
wieder die Zeugen Jehovas«
Montag, 15. November 1999, Göttingen
Rezension
bei amazon.de
Rezension
bei H-SOZ-U-KULT
www.Hans-Hesse.de
persönliche Homepage des Historikers Hans Hesse. Neben seinen
Aufsätze und Vorträgen sind Informationen zu folgenden Themen zu finden:
Konzentrationslager Moringen, Jehovas Zeugen unter dem NS Regime, Sinti und
Roma ...
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