Nach Sachsenhausen ...

Im Januar 1940 öffnete ein SS-Mann die Zelle, legte Max Liebster in Ketten und brachte ihn nach Karlsruhe in einen Gefangenenzug mit 900 Menschen, dessen Bestimmungsort Sachsenhausen/Oranienburg war.

Der SS-Mann suchte lange, bis er in den überfüllten Waggons endlich einen Platz für seinen 'Schützling' fand. "Mit einem Tritt stieß er mich auf den Platz", sagt Liebster, "und dann schrie er: Du Stinkjude wirst niemals lebendig aus dem KZ zurückkommen!"

Liebster hatte Todesangst. Jede Hoffnung war dahin. Sie würden ihn umbringen. Kein Zweifel. Da fiel sein Blick auf einen älteren Mann, der keine Angst in den Augen hatte, der Friede und Freude im Herzen trug, trotz des Elends um ihn herum. "Er war ein Zeuge Jehovas, und er erzählte mir, dass seine Frau bereits ermordet worden sei, seine fünf Kinder in Erziehungsheime gekommen. Aber er war voll innerer Freude. Weil er nicht 'Heil Hitler' gesagt hatte, nicht in den Krieg ziehen wollte, sondern standhaft war. Für mich war das ein Wunder, dass es Menschen auf deutscher Erde gab, die 'nein' sagten zu Hitler, nicht ihr Heil in einem Menschen suchen, sondern in Gott."

Hitler war nicht für jeden Deutschen das Maß aller Dinge. Allerdings liest man in Schulbüchern wenig oder nichts von den wahren Widerstandskämpfern, die oft einfache Menschen aus dem Volk waren. So lebte in Berlin eine Frau namens Emmy Zehden. 1944 wurde sie in Plötzensee enthauptet, weil sie zwei 15jährige Buben bei sich versteckt hatte, die den Kriegsdienst verweigern wollten. Auch die beiden Jungs wurden enthauptet. Die Berliner Behörden entschlossen sich 1992, das vorbildliche Handeln dieser Frau in die Erinnerung zurückzurufen, indem sie eine Straße nach ihr benannten ...
 
 

Für den Sieg ...

Der Transport war lange unterwegs, gut drei Wochen, denn die Räder rollten für den Sieg, wie es an allen Zügen, an allen Lastwagen geschrieben stand. Die Gleise und Straßen mussten dem Krieg Vorrang einräumen. Gefangene durften nur befördert werden, wenn sich zwischen den Militärtransporten eine Gelegenheit bot.

Liebster und die anderen Gefangenen wurden in einem Frankfurter Gefängnis in Käfigen zwischengelagert, von fauligen Tomaten verschmiert, mit denen die Bevölkerung sie beworfen hatte.

Durch die Gitterstäbe unterhielt man sich. Der Jude Max Liebster diskutierte mit Zeugen Jehovas, die im Dritten Reich ebenfalls der Vernichtung preisgegeben waren, über Gottes Wort ...

Weiter! In den Zug gepfercht. Nach Sachsenhausen. Kalt war es im Januar 1940. SS-Männer standen bei der Ankunft am Bahnhof und fragten jeden Gefangenen, warum er ins KZ müsse. Liebster: "Der eine war Kommunist, der andere war homosexuell; wieder ein anderer war Schwerverbrecher. Die Fragerei machte Sinn. Die einzelnen Gruppen wurden durch an ihre Kleidung angenähte Winkel unterschieden. So bekamen Kommunisten einen roten Winkel und Homosexuelle einen rosanen. Zigeuner und die, die nicht arbeiten wollten, erhielten einen schwarzen Winkel

Fußnote:

Die Juden erhielten einen gelben Stern, die Zeugen Jehovas einen lila Winkel (Dreieck). Sie waren die einzige Religionsgemeinschaft, die gesondert gekennzeichnet wurde. Von den etwa 25.000 Zeugen, die es 1933 in Deutschland gab, wurden bis 1945 rund 10.000 inhaftiert, von denen ca. 1.200 zu Tode kamen.


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