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"Ich bin der Liebster, Max;
geboren in Reichenbach im hessischen Odenwald am 15. Februar 1915, während
des ersten Weltkriegs", beginnt Max Liebster seine tragische Geschichte.
Er ist einer der wenigen Überlebenden des Holocaust. Ein Buch hat
dem Juden das Leben gerettet: Die Bibel ...
Sein Vater war in Österreich zur Welt gekommen, nahe Auschwitz, war einberufen worden, hatte für Deutschland im ersten Weltkrieg an der Front gekämpft. Gedankt hat es ihm das Vaterland, indem man ihn im KZ Sachsenhausen verbrannte. "Eigentlich hat mein Vater nicht damit gerechnet, aus dem Krieg heimzukehren", erinnert sich Liebster. "Doch er kam zurück, und die Familie zog nach Reichenbach, wo wir in der Nibelungenstraße lebten. Mein Vater war Schuhmacher, und zur Volksschule hatte ich es nicht weit - gerade über die Straße. In der Pause, wenn meine Kameraden im Schulhof spielten, bin ich schnell zum Vater rüber und hab' mir ein Marmeladenbrot geholt. Wir hatten Kirschen im Garten, Erdbeeren, Johannisbeeren und auch Gemüse." Das Lebensmittelgeschäft Heltmann ließ die Liebsters anschreiben. Geld hatten sie nicht viel. Der Beruf des Schuhmachers war ehrwürdig, aber nicht einträglich. "Immer, wenn ein Paar Schuhe bezahlt wurde, nahm meine Mutter das Geld und rannte gleich zu Heltmanns, um die Schulden zu begleichen", sagt Liebster. "Ich bin groß geworden in einer ganz normalen Familie, die hart arbeitete und ein ganz gewöhnliches Leben führte. Über den Garten und eine kleine Landwirtschaft haben wir Obst und Gemüse geerntet. Der Keller, das weiß ich noch, wurde im Herbst mit Äpfel gefüllt, von denen wir den Winter über aßen. Mein Vater hat die Äpfel immer für uns geschält, und genauso mache ich es heute noch für meine Frau und für mich." Max Liebster hatte zwei ältere Schwestern. Beide heirateten und wanderten nach Amerika, bzw. Argentinien aus. Gerade noch rechtzeitig. Sie entgingen der Vernichtung. Schwierigkeiten wegen der jüdischen Herkunft hatte die Schuhmacherfamilie in Reichenbach nie. Sie war angesehen, hatte Freunde. In der Schule gab es nie Probleme, weder mit den Lehrern, noch mit den Mitschülern. "Einer meiner Spielkameraden war der Sohn eines Fabrikanten aus Lautern", erzählt Liebster. "Die Familie war katholisch. Sie hat mich oft eingeladen und wie einen lieben Freund behandelt. Dass ich Jude war, spielte keine Rolle. Wir waren irgendwie alle Menschen." 1929 kam Max Liebster in die Lehre. Ein Bekleidungsgeschäft in Viernheim nahm den 14jährigen Buben. Dort lernte er Dekoration und Buchführung. Jugendarbeitsschutz wie heutzutage gab es nicht. An den Wochenenden musste die Kundschaft bedient werden. Darunter waren viele Leute, die einen neuen Anzug mühsam vom kärglichen Verdienst abstottern mussten. "Die haben dann wöchentlich fünf oder zehn Mark bezahlt", sagt Liebster, "Wer nicht kam, um pünktlich zu bezahlen, den musste ich sonntags mit dem Fahrrad aufsuchen, um das Geld zu holen. Ich war beschäftigt von morgens früh bis abends spät." Max Liebster wuchs heran und entdeckte sein Liebe zum Tanzen. Besonders der Wiener Walzer hatte es ihm angetan. "Mir ging das Herz auf bei dieser Musik", erinnert er sich. "Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Es war ein wunderbarer Ausgleich zur Arbeit. Man ist in einer anderen Welt." [ hier ] klicken... nächste Seite .... |
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