Dr. Dr. Michael Hetzner
Christen im Feuerofen -
Jehovas Zeugen im Dritten Reich
Dokumente und Erinnerungen aus Heilbronn und Umgebung

Die verblassenden Erinnerungen

Dieser Abriss ist Bruchstück und Fragment. Muss notwendigerweise Bruchstück und Fragment bleiben. Denn die meisten der von der Naziherrschaft unmittelbar Betroffenen - und das heißt auch Getroffenen - sind inzwischen verstorben. Es handelt sich also, neben einigen Quellen aus der behandelten Zeit, in vielen Fällen um Geschichte aus zweiter und dritter Hand, um die Berichte von Kindern und Enkeln, von Freunden, Bekannten und späteren Weggefährten, die ich allerdings nach bestem Wissen und Gewissen überprüft habe.

Der Feuerofen

Wenn ihr aber nicht anbetet, werdet ihr im selben Augenblick in den brennenden Feuerofen geworfen werden. Und wer ist der Gott, der euch aus meinen Händen befreien kann? (1)

Nebukadnezar, der König von Babylon, schäumte. Da hatte er in der Ebene Dura ein riesiges Standbild aus Gold aufstellen lassen, vor dem sich alle Edlen seines Volkes niederwerfen mussten. Und nun weigerten sich drei Hebräer, dieses Bild anzubeten, da sie nicht bereit waren, ihr eigenes Leben höher zu stellen als die Loyalität gegenüber Gott. In unserem Jahrhundert fanden Nebukadnezars Worte in Deutschland eine erstaunliche Parallele. Und zwar an einer Gruppe von Christen, die bis heute von vielen verkannt und nur von wenigen verstanden wird. Einer Gruppe, über deren Opfer, Leiden und Leid im Dritten Reich bis heute fast niemand etwas weiß. Doch der Reihe nach. Zunächst fing alles ganz harmlos an.

Die Anfänge in der Weimarer Zeit

Die Geschichte der Ernsten Bibelforscher (seit 1931: Jehovas Zeugen) in Deutschland beginnt in den 1880er Jahren. Damals wurden erstmals Druckschriften der 1879 in den USA gegründeten Watch Tower Society (Wachtturm-Gesellschaft) in Deutschland verbreitet. Im Jahre 1891 besuchte ihr erster Präsident, Charles Taze Russel, im Zuge einer ausgedehnten Predigtreise durch Europa erstmals auch Deutschland. Mit der Gründung des ersten deutschen Zweigbüros der Watch Tower Society in Elberfeld bei Wuppertal im Jahr 1902 erhielten die Bibelforscher im Deutschen Reich Auftrieb.

Am Ende des Ersten Weltkrieges zählten sie in Deutschland 3868 aktive Mitglieder. (2) In dem Bemühen, möglichst vielen Menschen ihre Lehre bekannt zu machen, zogen sie quer durchs Deutsche Reich und missionierten, wo immer sich dazu die Möglichkeit ergab.

Erste Hinweise auf Aktivitäten der Ernsten Bibelforscher im Raum Heilbronn finden sich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit kamen drei Frauen, Schwestern mit dem Familiennamen Friedle, von der Schweiz nach Heilbronn. Sie waren wohl die ersten, die hier die Überzeugung der Ernsten Bibelforscher vertraten. In den 20er Jahren nahm die Zahl der Ernsten Bibelforscher dann zu. Die ersten Gruppen entstanden. Adolf Eppler (geb. 1913), einer der letzten lebenden Zeitzeugen aus dem Raum Heilbronn, erinnert sich noch daran, dass er in den 20er Jahren in Heilbronn den Vortrag Millionen jetzt Lebender werden nie sterben hörte. In der gleichen Zeit besuchte er in der Heilbronner Harmonie dann das Photo-Drama der Schöpfung. Dabei handelte es sich um ein achtstündiges Programm, eine Kombination von Filmen, Lichtbildern und Schallplatten, das meist auf mehrere Abende verteilt vorgeführt wurde. Außerdem erinnert er sich noch daran, dass er in Obereisesheim, seinem Heimatort, damals das Goldene Zeitalter (heute: Erwachet) austrug. In seinem Elternhaus (Lindenstraße 7) fanden regelmäßig Zusammenkünfte der Ernsten Bibelforscher statt.

Da die Gruppen damals noch sehr klein waren, kannten sich alle Bibelforscher in Heilbronn und Umgebung. In Heilbronn trafen sich die Bibelforscher damals in der Heilbronner Innenstadt (Schulgasse). Außerdem kamen sie privat u.a. bei den Familien Kühner (Dammstraße 33A) und Löchner (Karlstraße 111, später Kernerstraße 47/1) zusammen. (Von ihnen wird noch zu reden sein.) Anfang der 30er Jahre unternahm man in Deutschland besondere Anstrengungen, die verstreute Landbevölkerung zu erreichen, so auch in Heilbronn und Umgebung.

Der Nationalsozialismus schlägt zu

Während Adolf Hitler und seine Gefolgsleute die Machtergreifung vorbereiteten, betätigten sich die Ernsten Bibelforscher weiterhin missionarisch. Das musste nach 1933 zwangsläufig zur Konfrontation führen, denn sie hatten bereits einige Jahre vor 1933 vor der nationalsozialistischen Bewegung gewarnt. So schrieb The Golden Age in der Ausgabe vom 4. Januar 1933: "Die Maschinerie der nationalsozialistischen Bewegung rückt bedrohlich näher".(3)

Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 31. Januar 1933 brach in Deutschland eine dunkle Zeit über sie herein. Denn der Nationalsozialismus hatte Jehovas Zeugen - ihre Zahl betrug inzwischen etwa 20000 - schnell als unliebsame Gruppierung ausgemacht.(4) Am 4. April 1933, nur acht Wochen nach der Machtergreifung, verbot das NS-Regime die Tätigkeit der Ernsten Bibelforscher im Deutschen Reich. Das Büro der Wachtturm-Gesellschaft in Magdeburg wurde beschlagnahmt. Außerdem vernichteten die Nazis bis Anfang 1934 mindestens 65 Tonnen Literatur in öffentlichen Verbrennungen. Der Terror begann!

"Diese Brut wird aus Deutschland ausgerottet werden!"

Wir Christen von heute stehen beschämt da vor einer sogenannten Sekte wie der der ernsten Bibelforscher, die zu Hunderten und Tausenden ins Konzentrationslager und in den Tod gegangen sind, weil sie den Kriegsdienst ablehnten und sich weigerten, auf Menschen zu schießen.(5)

Was Martin Niemöller hier offen ansprach, war und ist vielen bis heute unbekannt: Die konsequente Weigerung der Zeugen Jehovas, sich dem totalitären Anspruch der NS-Ideologie zu beugen. Das wirkte sich auf alle Lebensbereiche der Zeugen Jehovas aus.(6) Sei es die Teilnahme an den Scheinwahlen der Nazis, die Verweigerung des Hitler-Grußes oder die Weigerung, einer der NS-Massenorganisationen (Hitlerjugend, Deutsche Arbeitsfront usw.) beizutreten - kein Zeuge Jehovas blieb im Alltag von einer Vielzahl von Konfrontationen mit den Machthabern des Dritten Reiches verschont. (7) Wegen ihrer Unbeugsamkeit gegenüber dem Nazi-Regime und der kompromisslosen Verweigerung des Wehrdienstes wurden sie schnell zur Zielscheibe einer überaus brutalen Verfolgung.(8) Die Einlieferung in Gefängnisse und Konzentrationslager erfolgte unverzüglich. Nach Angaben des Historikers und Leiters der KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme, Detlef Garbe, wurden viele Konzentrationslager zuerst von Bibelforschern 'bezogen' und waren zeitweise nur von ihnen belegt. (9)

Ein Artikel im Heilbronner Tagblatt (15.November 1933) vermittelt ein anschauliches Bild über die Grundhaltung der Nazis gegenüber den Zeugen Jehovas, ja vom gesamten geistigen Klima jener Zeit:

Von diesen Narren, die sich früher "Ernste Bibelforscher" genannt haben, verstänkert immer noch ein Grüppchen die geistige Luft Heilbronns, obgleich dieses Judenunternehmen des hirnweichen Herrn Rutherford aus Amerika im ganzen Deutschen Reiche verboten ist. Die hiesigen "Zeugen Jehovas" (wer lacht da?) rekrutieren sich zum größten Teil aus kleinen Handwerkern und Handelsleuten. Sie kommen nach wie vor zweimal wöchentlich in einer Wirtschaft auf der Adolf Hitler-Allee zusammen und verzapfen dort ihren alttestamentarischen Quatsch. Ihr Prediger - Treppenwitz der Weltgeschichte - ist ausgerechnet ein Fensterputzer [Wilhelm Kühner], der seinen Zuhörern aber ihre Brillengläser nicht etwa blank poliert, sondern mit der Judensalbe seines amerikanischen Meisters so undurchsichtig wie möglich macht. Auch ein Milchhändler [Heinrich Löchner] [...], spielt eine Rolle im Kreise dieser Armen im Geiste.

Angesichts der Tatsache, dass die lächerlichen "Zeugen Jehovas" ihren Anhängern zur Pflicht gemacht haben, bei den Wahlen am vorigen Sonntag nicht mitzutun, weil sie mit Politik, also mit dem Schicksal des Vaterlandes nichts zu tun hätten, muss der vernünftige Teil der Bevölkerung diesen Saboteuren gegenüber zur Selbsthilfe greifen.

Wir rufen insbesondere die deutschen Frauen dazu auf, jede Geschäftsverbindung mit den Anhängern dieser Judensekte unbedingt und schleunigst zu lösen. Es liegt für deutsche Menschen, die sich soeben in hellster Begeisterung für den Deutschesten aller Deutschen, für Adolf Hitler erklärt haben, keine Veranlassung vor, diese bewusst Abseitsstehenden in Nahrung zu setzen. Man entziehe ihnen jede Unterstützung und lasse sie mit ihrem Judenkram allein. Vielleicht weichen die schleimigen Nebel aus ihren Hirnschalen, sobald ihre Mägen knurren und sie einsehen lernen, dass sie ihre bisherigen Profitchen nicht so sehr dem Wüstengotte Israels, wie der Langmut und Nachsicht ihrer deutschen Volksgenossen zu verdanken gehabt haben.

Ausgrenzung durch Verächtlichmachung, Hass und Häme, gesellschaftliche und wirtschaftliche Isolation - das waren die ersten Schritte, mit denen die Nazis gegen alle vorgingen, die auch nur im geringsten von ihrer offiziellen Ideologie abwichen. Freilich sollte es nicht mehr lange dauern, bis die "hellste Begeisterung", die aus diesem Artikel spricht (und die er offen anspricht), auch buchstäblich zu sehen sein wird: in den Flammen der Reichskristallnacht, dem hellen Schein der Vernichtungsöfen, bis hin zum brennenden Kessel von Stalingrad. Gerade in seiner Durchschnittlichkeit, in der falschen Vertraulichkeit seiner suggerierten Kameradschaftlichkeit, in der geistlosen Anhäufung von Pejorativa, in dem peinlichen Elativ vom "Deutschesten aller Deutschen" ist dieser Artikel bezeichnend für Sprache und Denken des Dritten Reiches. Ihm fehlt alles Sachlich-Argumentative. Er kennt nur den pathetischen Aufruf, die Demagogie, die beschwörenden Agitation, die einpeitschende Wiederholung, die große Gestik, die permanente Wiederholung. Was sich nicht in die amorphe Masse der 'Volksgenossen' einfügen will, ist verdächtig, wird marginalisiert und schließlich - ausgerottet!

Sind wir heute - im Zeichen einer wesentlich subtiler wirkenden political correctness - wirklich so viel weiter? Wer das hohe demagogische 'Niveau' des Provinz- und Schmierenjournalismus unserer Tage kennt (vgl. 'Artikel' und Kommentar von Kilian Krauth: Heilbronner Stimme vom 7. April 1998 S. 28), der muss das jedenfalls für sehr, sehr fraglich halten, der wird sicherlich zögern, diese Frage mit einem klaren Ja! zu beantworten.

Der Präsident der Watch Tower Society, Joseph Rutherford, reagierte auf die Verfolgung durch die Nazis mit einer weltweiten Protestaktion. Am 7. Oktober 1934 sandten Zeugen Jehovas in aller Welt per Telegramm bzw. Kabelgramm Protestschreiben an Hitler, in denen sie ihn aufforderten, die Verfolgung ihrer Glaubensbrüder umgehend zu beenden.

Der Schriftsteller Karl Wittig, seinerzeit Bevollmächtigter General Ludendorffs, war bei einer Unterredung mit dem damaligen Reichsinnenminister Wilhelm Frick an eben jenem Tag Augenzeuge der Reaktion des 'Führers' auf diese Aktion. Wittig erinnert sich:

Während meiner Unterredung mit Dr. Frick erschien plötzlich Hitler und beteiligte sich an den Verhandlungen. Als unser Gespräch zwangsläufig auch das bisherige Vorgehen des nationalsozialistischen Regimes gegen die Internationale Bibelforscher-Vereinigung (Jehovas Zeugen) in Deutschland streifte, legte Dr. Frick Hitler eine Reihe aus dem Auslande eingelaufener Protesttelegramme gegen die Verfolgung der Bibelforscher im 'Dritten Reich' mit folgendem Bemerken vor: "Wenn sich die Bibelforscher nicht gleichschalten, dann werden wir sie mit den schärfsten Mitteln anfassen", worauf Hitler aufsprang, seine Hände zusammenballte, sie erhob und hysterisch schrie: "Diese Brut wird aus Deutschland ausgerottet werden!" (10)

Daraufhin nahm die Verfolgung an Schärfe zu. In Folge dessen wurde die Weltöffentlichkeit durch Artikel in den Veröffentlichungen der Wachtturm-Gesellschaft auf die grausame Verfolgung der Zeugen Jehovas durch die Nazis im Deutschen Reich aufmerksam gemacht. Bereits 1935 enthüllte die Zeitschrift Das Goldene Zeitalter (später: Trost, heute Erwachet) die inquisitionsähnlichen Foltermethoden des NS-Regimes.

Auch die Bevölkerung von Heilbronn und Umgebung wurde über die Verfolgung der Zeugen Jehovas informiert. So brachte Georg Ebert (Talheim) 1936 von einem internationalen Kongress der Zeugen Jehovas in Luzern 500 Offene Briefe an das bibelgläubige und Christus liebende Volk Deutschlands, sowie eine Anzahl von Broschüren mit dem Titel "Entscheidung" mit. Am 10. April 1937 wurden an einige Einwohner von Neckargartach ca. 25 dieser Offenen Briefe versandt. Einen weiteren Teil dieser Literatur verteilten die Zeugen Jehovas in aller Heimlichkeit am 20. Februar 1937 in der Heilbronner Paulinenstraße sowie in der Allerheiligengasse und beim Götzenturm. (11)

Im Jahr 1937 berichtete die Zeitschrift Trost (heute: Erwachet) erstmals von Experimenten mit Giftgas in Dachau. 1938 veröffentlichten Jehovas Zeugen das Buch Kreuzzug gegen das Christentum, in dem die brutale Unterdrückung ihrer Glaubensbrüder dokumentiert wurde, belegt durch Zeichnungen, die man unter Lebensgefahr aus den Konzentrationslagern geschmuggelt hatte. Thomas Mann, der damals im amerikanischen Exil lebte, schrieb dazu:
 

Ich habe Ihr so schauerlich dokumentiertes Buch mit größter Ergriffenheit gelesen, und ich kann die Mischung von Verachtung und Abscheu nicht beschreiben, die mich beim Durchblättern dieser Dokumente menschlicher Niedrigkeit und erbärmlicher Grausamkeit erfüllte. [...] durch Schweigen [wird] der Welt die moralische Apathie [...] nur allzu bequem gemacht [...] auf jeden Fall haben Sie Ihre Pflicht getan, indem Sie mit diesem Buch vor die Öffentlichkeit traten.(12)


Während der 'Führer' bei den Reichsparteitagen der NSDAP in Nürnberg Glanz und Macht, Massenwahn und soldatischen Geist demonstrierte, litten etwa 10 000 Zeugen Jehovas in Gefängnissen und Konzentrationslagern, schon bevor die systematische Verfolgung anderer Minderheiten in Deutschland richtig begann.(13)

In Konzentrationslagern wies man den Zeugen ein eigenes Häftlings-Kennzeichen zu, den sogenannten Lila Winkel - nach Detlef Garbe "ein einzigartiger Vorgang in der Einteilung der SS gegenüber allen anderen Weltanschauungsgemeinschaften. Geistliche trugen den roten Winkel der politischen Häftlinge".(14) Auch bezeichnete die SS die Zeugen Jehovas als "freiwillige Häftlinge", sie waren die einzigen im KZ Inhaftierten, die freikommen konnten, wenn sie ein Dokument unterzeichneten, in dem sie ihrem Glauben abschworen. Bis auf wenige Fälle kam dies jedoch nicht vor. (15) Etwa 2 000 Zeugen Jehovas kamen in den Konzentrationslagern um, davon ca. 250 durch Hinrichtung.(16)

Wie aber sah der Alltag der Betroffenen aus? Welchem Terror, welchen Repressionen waren sie ausgesetzt? Dazu im folgenden einige Beispiele aus Heilbronn und Umgebung.

"Hier wohnt ein Landesverräter" -
die Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz

Heinrich (1886 - 1970) und Paula Löchner (1886 - 1976) waren zwei aufrechte und gastfreundliche Menschen. Frau Löchner leitete bis zum Verbot 1933 die Kinderversammlung in Heilbronn. Ihren Lebensunterhalt bestritt das Ehepaar mit einem kleinen Milchladen in der Kernerstraße 47/1. Da sie an den Scheinwahlen der Nazis nicht teilnahmen, versuchten diese, ihre wirtschaftliche Existenz zu zerstören. Nach einer Wahl - niemand kann sich heute genau erinnern, welche es war - hängten die Nazis an ihrem Laden ein großes Transparent auf: "Hier wohnt ein Landesverräter". Mehrmals wurde Heinrich Löchner, wenn er seine Milch von Haus zu Haus verkaufte - er belieferte die 'bessere' Gesellschaft in der Heilbronner Hundsbergstraße und Umgebung - vom NS-Pöbel angegriffen. Sein Handwagen wurde umgekippt und die Milch lief die Straße entlang. Außerdem wurde er zweimal verhaftet. Vom Amtsgericht Heilbronn erhielt er eineinhalb Monate Gefängnis. Später verurteilte ihn das Sondergericht Stuttgart zu einer Geldstrafe von 300 Reichsmark.

Auch Familie Kühner (Heilbronn, Dammstraße 33A) hatte unter der Verfolgung durch die Nazis zu leiden. Wilhelm Kühner war Kammerjäger, und die Familie besaß einen kleinen Betrieb für Fensterreinigung. In ihrer Wohnung fanden regelmäßig Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas statt. Weil sie sich nicht an den Wahlen beteiligt hatten, wurde ihre Garage beschmiert.(17)

Doch das war noch nicht alles. So schildert Heinrich Markert, ein Zeuge Jehovas, der von 1934 bis 1935 in Heilbronn lebte, dass Wilhelm Kühner "von ca. 7 SA-Männer[n] zweimal bewusstlos geschlagen" wurde, weil "er nicht zur Wahl ging". (18) Auch wenn es darüber keine Zahlen gibt, werden sich doch nach diesen Ereignissen viele Heilbronner Bürger sehr genau überlegt haben, ob sie künftig die Dienste von Wilhelm Kühner noch in Anspruch nehmen wollten.

Wilhelm Auer (1900-1938, Heilbronn, Salzstraße 52) war Bäckermeister und Gastwirt. Am 12. Februar 1938 schlossen die Nazis sein Geschäft. Wegen Wehrdienstverweigerung wurde er im selben Jahr verhaftet und verurteilt. Er muss gewaltsam ums Leben gekommen sein, denn während seiner Festungshaft wurde er am 20./21. März 1938 in Germersheim tot aufgefunden.(19)

Um dem stärksten Druck am Wahltag selbst zu entgehen - viele wurden an diesem Tag aufgesucht, um sie zum Wählen zu 'überreden' -, gingen die Zeugen an diesen Tagen oft gemeinsam in den Wald, zu einem 'Ausflug'. Mit wie viel Angst und Sorgen im Herzen, das vermag heute wahrscheinlich niemand mehr wirklich nachzuvollziehen.

Hermann Baden (1890-1945, Heilbronn, Sichererstraße 27) musste sein Geschäft für Silberwaren aufgrund des Drucks der Nazis schließen. Er wurde dreimal verhaftet (1934, 1937 und 1940), und das Sondergericht Stuttgart verurteilte ihn wegen des Lesens verbotener Schriften. Von Mai 1940 bis April 1945 befand er sich in den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau. Hermann Baden starb am 29. April 1945 - er war nur noch Haut und Knochen - an den Folgen seiner Haft.(20)

Doch nicht immer verliefen die Versuche der Nazis, den Bibelforschern die Existenzgrundlage zu entziehen so offen und spektakulär wie in den genannten Fällen. Vom 1. April 1934 bis 3. Mai 1935 arbeitete Heinrich Markert bei der Firma Hugo Kölle, Baum- und Rosenschulen (Heilbronn, Jägerhausstraße). Über seine Entlassung schreibt er:

Während der 2 letzten Stunden bei KÖLLE - konnte ich doch nochmals mit ihm [dem Chef und Firmeninhaber] sprechen, er sagte Du bist nicht entlassen worden - wegen der NICHTWAHL, wegen dem HEIL HITLER Gruß und wegen jeweils dem 1. Mai, sondern wir bekommen eine Wehrmacht und Du bist Kriegsdienstverweigerer und das kann ich nicht gebrauchen. Ich sagte ihm, das könne ich verstehen in seiner Position (21) und verüble ihm dies auch nicht, aber da kamen die feuchten Augen bei ihm, er hielt meine Hand ganz verkrampft - und das [Arbeits-]
ZEUGNIS hat er vermutlich selbst geschrieben, man merkts, er war ganz Durcheinander. Seine Sekretärinnen hätten dies bestimmt nochmals ohne Fehler geschrieben. Auch aus dem Inhalt geht hervor, dass er kein Gegner für mich war.(22)

Laut Detlef Garbe fand Heinrich Markert "vier Jahre später bei der Firma Bosch im Arbeitsbereich Messtechnik eine Anstellung". Doch auch dort geriet er "wegen der Grußverweigerung in Konflikte". (23) Daraufhin beauftragte der alte Inhaber der Firma Bosch den Direktor, Heinrich Markert in seiner Privatvilla zu beschäftigen. Doch Heinrich Markert reagierte auf dieses Angebot einfach nicht, und als ausgezeichneten Fachmann - er arbeitete in der Messtechnik - wollte die Firma nicht auf ihn verzichten. So wurde er in aller Stille im Betrieb weiterbeschäftigt. Als er gegen Kriegsende den Gestellungsbefehl erhielt, setzte sich wiederum die Firma Bosch für ihn ein. So konnte er überleben.

Zerrissene Familien

Ein weiterer Aspekt der Verfolgung durch die Nazis lässt sich anschaulich bei Richard Dutt (1896-1980, Heilbronn, zeitweise Bottwarstraße 50) aufzeigen. Am 30. Juli 1937 verlor er seine Stellung als Werbeassistent. Nach 24 Dienstjahren und als 70% Kriegsdienstbeschädigter wurde er wegen 'Auslandspropaganda' fristlos entlassen. Sein gesetzlicher Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung wurde ihm verwehrt. Bis zum 31. August 1940 war ihm jegliche berufliche Tätigkeit untersagt. Erst aufgrund des Arbeitskräftemangels durch den Krieg erlaubte man ihm wieder zu arbeiten.

Am 17. September 1940 verurteilte ihn das Sondergericht Stuttgart wegen "verbotener Betätigung für die internationale Bibelforschervereinigung" (24) zu sechs Monaten Gefängnis.

Einen der Söhne von Richard Dutt verwies man wegen der Verweigerung des Hitler-Grußes von der Schule. Anschließend wurde er der Familie weggenommen und kam zwei Jahre in die 'Fürsorgeerziehung'.(25)

Dabei handelte es sich nach Garbe um keinen Einzelfall. Im Gegenteil - 'Pflegefamilien' und 'Erziehungsanstalten' - natürlich nur im stramm nationalsozialistischen Sinne - waren im Dritten Reich gegenüber den Kindern von Zeugen Jehovas an der Tagesordnung.(26)

"Arrest, Hunger und Kälte reichlich kennengelernt" - Verfolgte Frauen

"Alle Achtung für Ihre neun Jahre beim Hitler", sagte der kommunistische Richter. "Da waren Sie wirklich gegen den Krieg, aber jetzt sind Sie gegen unseren Frieden!"(27)

Trotz seiner anerkennenden Worte über die Standhaftigkeit von Charlotte Müller verurteilte er die Zeugin Jehovas am 4. September 1951 zu acht Jahren Haft in einem Zuchthaus der DDR - einem Jahr weniger als vormals das NS-Regime. Charlotte Müller wurde 1912 in Gotha-Siebleben (Thüringen) geboren und ließ sich 1933 als Zeugin Jehovas taufen. Seit 1960 lebt sie in Heilbronn.

Nach dem Verbot der Organisation durch die Nazis beteiligte sie sich daran, die Zeitschrift Der Wachtturm heimlich zu verbreiten. Im August 1936 wurde sie von der Gestapo verhaftet. Im Februar 1937 wurde ihr vor dem Sondergericht in Sachsen der Prozess gemacht, und sie erhielt zwei Jahre Gefängnis. Nachdem sie diese Strafe verbüßt hatte, kam sie sofort auf die Lichtenburg/Elbe, ein kleines KZ nur für Frauen. Aufgrund ihrer Standhaftigkeit musste sie dort vieles erdulden. Als sie sich beispielsweise einmal weigerte, die Kommandantur zum Geburtstag Hitlers mit Lichtern zu schmücken, erhielt sie drei Wochen Einzelarrest in einer kleinen, dunklen Zelle. Kurz nach Kriegsbeginn kam sie in den Strafblock, weil sie sich geweigert hatte (sie arbeitete zu dieser Zeit in der Wäschekammer), eine Hakenkreuzfahne abzuholen. Nun musste sie bei jedem Wetter Tag für Tag, auch sonntags, hart arbeiten. Obwohl die Höchststrafe normalerweise drei Monate betrug, musste sie ein Jahr im Strafblock ausharren. Im Jahre 1945 wurde sie von den alliierten Truppen befreit. Danach lebte sie in Chemnitz und in Magdeburg.

Die nächsten Jahre verbrachte sie in Freiheit. Doch als am 31. August 1950 die Kommunisten Jehovas Zeugen erneut verboten, wurde Charlotte Müller wiederum im Untergrund aktiv. Das führte dazu, dass sie 1951 erneut verhaftet wurde. Nach ihrer Verurteilung kam sie in die Zuchthäuser Waldheim, Halle und Hoheneck. Aufgrund einer schweren Erkrankung entließ man sie im März 1957. Am 6. Mai 1957 gelang es ihr dann, nach Westdeutschland zu entkommen.

Sofie Gurr (geb. 1899) war lange Jahre mit Charlotte Müller eng befreundet. Bis zu ihrem Tod lebte sie in der Seestraße 17/1, in Heilbronn-Böckingen (davor in Obereisesheim, Ziegelstraße 2). In einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft Stuttgart, in dem sie die Aufhebung ihrer Verurteilung im Dritten Reich beantragt, schildert sie ihr Martyrium wie folgt:

Möchte Ihnen nochmals mitteilen, dass ich anfangs Okt. 1936 verh[aftet] wurde, u. in die Schutz-Polizei Heilbronn Wihlhelmstr. eingeliefert wurde. Selbige ist abgebrannt. Aber der Oberlandjager K. (28) lieferte mich ein der kann es bezeugen. Ebenfalls leben die 2 Gefängniswärter K. u. R. u. Gestabo H. Am 22. März 1937 wurde ich entlassen. Das war also Untersuchungshaft. Durch die Bemühungen meiner Freunde u. meines Anwaltes erhielt ich Strafaufschub bis Sept. anfangs Sept. wurde ich wieder eingeliefert. Mein Urteil lautete 4 Mon. davon wurden 2 Mon. an der Untersuchungshaft abgerechnet. Ich kam dann nicht mehr frei u. kam von Stuttgartter Gefängnis wo ich 6 Wochen war ins K.Z. Mooringen/Sammellag[er]/Lichtenburg Ravensbrück u. zuletzt mit einem Außenkomando nach Papenschwand b. Salzburg. Am 30.6.1945 erhielt ich dieses Geleitschreiben u. im Aug. konnte ich fahren. Gesundheitlich bin ich nicht mehr so auf der höhe. Habe schon etliche Jahr mit der Lunge zu tun u. habe geschwollenen Füsse. Wenn die Herren JustizBeamten noch weitere Auskunft möchten stehe ich gerne zur Verfügung. Wie wäre mit einer KörperBeschädigt. Rente für die Zeit, muß ich mich immer schonen keine schwere Arbeit u. muß mir zusetzen. Es ist mir sehr daran gelegen, obwohl ich in dieser Sache ein reines Gewissen habe, um Löschung meiner Strafe die lt. Urteil am 21.4.1937 über mich verhängt wurde u. bitte um Zusendung eines Straftilgunsbescheids.

Obereisesheim den 14.12.1949
Am 2. Dezember 1945 fasst sie die erduldeten Misshandlungen wie folgt zusammen: "Arrest, Hunger und Kälte reichlich kennengelernt." (29)

Das Leben von Charlotte Müller und Sofie Gurr belegt sehr anschaulich, dass sich Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas bei weitem nicht auf Männer beschränkte. Für Hamburg konnte Detlef Garbe aufzeigen, dass im Durchschnitt mehr Frauen als Männer inhaftiert waren (170 zu 158), wenngleich die Männer im Durchschnitt längere Strafen verbüßen mussten als die Frauen (2 Jahre zu 1 Jahr.) (30) Für Heilbronn liegen allerdings keine entsprechenden Daten vor.

'Denk´ daran!' -Gefängnis, KZ, Todeszelle und Fallbeil

Er hieß Friedrich, aber alle nannten ihn Fritz. Von Statur aus war er eher klein als groß. Ein Mensch mit Humor, gastfreundlich, väterlich. Und er hatte manchmal - das hat er mir viele Jahre später einmal persönlich gesagt - Angst. Fritz Mogler (1899-1982) kam 1921 mit den Ernsten Bibelforschern in Berührung. Er lebte zu dieser Zeit in Nordheim (Bahnhofstaße 57). Dort wurde er von Elise Kühner aus Heilbronn besucht, und von ihr erhielt er auch regelmäßig die Zeitschrift das Goldene Zeitalter. In den 30er Jahren - so erinnert sich seine Tochter Anneliese (geb. 1923) heute - besuchte die Familie immer wieder Glaubensbrüder und -schwestern in Heilbronn (Familie Löchner und Kühner). Während des Dritten Reiches reiste Fritz Mogler als Kurier bis nach Crailsheim, um einzelne Gruppen mit Druckschriften und Hektographien zu versorgen. Dabei entkam er einmal nur knapp der Verhaftung, als er mit einem großen Koffer voller Zeitschriften unterwegs war. Die Nazis kontrollierten den Zug systematisch von vorn bis hinten. So stieg er an der nächsten Haltestelle aus und stieg dann an jenem Teil des Zugs wieder ein, der bereits kontrolliert worden war.

Im Sommer 1944 - die Familie war inzwischen nach Heilbronn in die Wohnung der Familie Kühner (31) gezogen - wurde er verhaftet. Zuerst befand er sich im Gefängnis in Heilbronn, vom 21. August 1944 bis zum 26. April 1945 war er im Landgerichtsgefängnis Ellwangen. In einem Brief vom 15. Oktober 1944 beschreibt er seine Haftbedingungen:

Möchte Euch noch schreiben, dass leider keine Lebensmittel hier hereindürfen aber Ihr werdet auch nicht zu viel haben. Ich komme schon mit dem aus, andere müssen es ja auch. Besuch darf ich auch keinen bekommen, nicht dass Ihr eine unnötige Fahrt hierher macht.

Wenn ich heute an Fritz Mogler denke, so fällt mir immer wieder eine Geschichte ein, die er mir vor vielen Jahren erzählt hat, und ich will sie so wiedergeben, wie sie mir im Gedächtnis geblieben ist :

Der 1. Mai war für mich jedes Jahr ein großes Problem. An diesem Tag fand nämlich auf der Theresienwiese jedes Jahr ein großer Aufmarsch statt. Da die Betriebe zu diesen Aufmärschen immer geschlossen antraten, konnte man sofort feststellen, wer nicht erschienen war. Da bekannt war, dass ich an diesen Nazi-Kundgebungen nicht teilnahm, begannen bereits frühzeitig die Drohungen durch einige Funktionäre. In einem Jahr wusste ich mir nicht mehr zu helfen. Also ging ich ein paar Tage vor diesem Termin ins Krankenhaus und ließ mir die Rachenmandeln entfernen. Diesmal jedenfalls hatte ich es schriftlich: Ein ärztliches Attest bescheinigte mir, dass ich keine Möglichkeit gehabt hatte, am Mai-Aufmarsch teilzunehmen.

An dieser Stelle soll noch von Luise Mogler (1902-1987), seiner Ehefrau, die Rede sein. Sie wurde 1944 für kurze Zeit in Heilbronn inhaftiert. Da sie jedoch hochschwanger war - ihre Tochter Ursula kam im Juni 1944 zur Welt - wurde sie bald wieder entlassen.

'Denk´ daran!' - dieser Spruch war auf dem Tintenfass von Emil Bauer (1901-1940, Heilbronn-Böckingen, Teichstraße) zu lesen, das auf dem Schreibtisch des Prokuristen der Firma Ludwig Müller Öle ('Öl-Müller') stand. Er erinnerte ihn ständig an den Gehorsam bis zum Tod, den er seinem Gott geschworen hatte. Und dieser Gehorsam brachte ihn nicht nur an die Schwelle des Todes - er führte ihn auch über diese Schwelle hinaus.

Das erste Mal wurde Emil Bauer wegen seines Glaubens 1936 vom Amtsgericht Heilbronn zu 100 RM Geldstrafe und drei Tagen Haft verurteilt. Im März 1938 verurteilte ihn das Sondergericht Stuttgart - die Verhandlung fand in Heilbronn statt - zu einem Jahr und 9 Monaten Gefängnis. Das kann man bis heute im Heilbronner Tagblatt vom 9. März 1938 nachlesen.

Nachdem er seine Gefängnisstrafe verbüßt hatte, erging es ihm wie vielen anderen Zeugen Jehovas auch: Er wurde ins KZ eingeliefert. Zuerst, im August 1939, ins KZ Welzheim, dann nach Sachsenhausen, wo er am 23. Mai 1940 starb. Das Telegramm des Lagerkommandanten gibt Lungenentzündung als Todesursache an.(32)

Es ist wenig, was wir heute noch von Emil Bauer wissen. Ein paar Erinnerungen, kaum Fakten und Details. Doch eines steht bei allen, die sich heute noch an ihn erinnern, außer Zweifel: sein starker Glaube, den auch die Nazis nicht zu brechen vermochten.

Nicht weniger standhaft trat auch Paul Eisele (1883-1942, Heilbronn, Moltkestraße 73) für seinen Glauben ein. Wie Emil Bauer (und drei weitere Zeugen Jehovas) wurde er im März 1938 vom Sondergericht Stuttgart verurteilt. Er erhielt ein Jahr und neun Monate Haft (Heilbronner Tagblatt vom 9. März 1938). Insgesamt verbrachte er ca. 3 Jahre in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau. Am 19. Januar 1942 wurde er auf einen 'Invalidentransport' geschickt.(33)

Richard Merkle wurde 1906 in Bad Canstatt geboren. Zwei Jahre später zog er mit seinen Eltern nach Obereisesheim. In den 20er Jahren - inzwischen wohnte er in Heilbronn-Neckargartach (heute: Frankenbacher Straße, vormals: Adolf-Hitler-Straße) - wurde er ein Ernster Bibelforscher. Nachdem er mehrere Jahre arbeitslos gewesen war, erhielt der gelernte Formenbauer im März 1933 eine Anstellung bei der Firma Karl Schmidt in Neckarsulm. Doch bereits ein Jahr später entließ man ihn aufgrund seiner religiösen Überzeugung als 'politisch unzuverlässig'. Aber es sollte noch schlimmer kommen. In einem Lebenslauf, den er im März 1946 verfasste, schilderte er sein Martyrium.

Im dritten Reich hatte ich viele Schwierigkeiten wegen meiner Glaubensüberzeugung, weil ich nicht gewählt hatte und auch den Hitlergruß nicht erwiderte. Im Frühjahr 1940 wurde ich zum Heeresdienst eingezogen, hatte dort das Töten von Menschenleben aus Glaubensgründen verweigert. Wurde verhaftet und vor das Reichskriegsgericht in Berlin gestellt, und in der ersten Verhandlung wegen Befehlsverweigerung zum Tode verurteilt. Wurde dann nochmals untersucht, wobei als Befund militärisch untauglich festgestellt wurde (Herzleiden). Danach bekam ich eine zweite Verhandlung und wurde dann zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, Die Strafe musste ich in Rothenburg [= Rottenburg/Neckar] verbüßen, wobei ich das Korbmacherhandwerk erlernte, [durchgestrichen].

Insgesamt war ich 43 Monate in Haft (einschließlich 7 Monate Untersuchungshaft Berlin).

(Während ich das Todesurteil hatte war ich 6 Wochen lang gefesselt Tag und Nacht. Im Oktober 1943 als meine Strafzeit um war, kam ich noch vor meiner Entlassung nach Stuttgart vor die Geheime Staatspolizei. wurde dort nochmals vernommen und gefragt ob ich heute noch diese Einstellung hätte, vorauf ich mit "J a" antwortete. Darauf wurde mir mit Dachau gedroht, falls ich mich nicht umstellen würde. Ich kam dann nach Heilbronn in einen [durchgestrichen] betrieb (Schlosserei Gärtner), wo ich als Stanzer eingelernt wurde. Dort war ich bis zur Besetzung tätig. Kurz vorher sollte ich noch zum Volkssturm eingezogen werden, wogegen ich mich wiederum sträubte Zum Glück ging alles so schnell, sonst hätten sie mich nochmals verhaftet.

Ich bin nun mit meinem jetzigen Lose zufrieden und sehe mit gläubigem Herzen der Zukunft entgegen.

Neckargartach, den 10.3.1946

Richard Merkle kam, wenngleich auch äußerst knapp - mit dem Leben davon. Bei anderen Zeugen Jehovas war das nicht der Fall.

Es ließe sich noch vieles berichten. Meist persönliche Erinnerungen, eine Handvoll Fakten...

...von Friedrich Vogel (geb. 1898, Heilbronn-Neckargartach), den das Sondergericht Stuttgart im März 1938 zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilte (Heilbronner Tagblatt vom 9. März 1938).

...von Wilhelm Auer, (geb. 1900, Heilbronn), der am 21. März 1938 im Militärgefängnis Germersheim sein Leben verlor (Standesamt Germersheim Nr. 16/1938).

...von Georg Ebert (Talheim), den das Sondergericht Stuttgart im März 1938 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte (Heilbronner Tagblatt vom 28. März 1938) und der schließlich im KZ Sachsenhausen umkam.

...von Max Grau (1899-1944, Nordheim) (34), der während der Mobilmachung 1939 verhaftet wurde, weil er dem Gestellungsbefehl nicht nachgekommen war. (Aus religiöser Überzeugung hatte er bereits die Übungen der Jahrgänge 1895-1900 in Weinsberg verweigert); der in die Schweiz auswandern wollte, was ihm die Behörden jedoch mit dem Hinweis verwehrten, so lange er deutscher Staatsangehöriger sei, müsse er auch seinen Pflichten gegenüber dem Staat nachkommen; der einen kleinen Textilhandel auf Bestellung betrieb und als gewandter Redner - aus seiner religiösen Überzeugung machte er kein Hehl -, bei den Nazis besonders verhasst war. Den viele in Nordheim aufgrund seiner Haltung verhöhnten. Den das Kriegsgericht in Heilbronn wegen Nichterfüllung seiner Verpflichtung im Wehrfall zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilte. Und der anschließend in Nordnorwegen bei einer Strafkompanie eingesetzt wurde.

Am 9. September 1942 schreibt er an seine Frau Ria:

du kannst später mit gutem Gewissen sagen du hast überwunden [...]. denn gerade weil du in einer so schlechten körperlichen Verfassung bist, so wiegt dein Glaube doppelt auf, und so denke ich dabei an die Leiden Hiobs; [...]. Möge dich der Herr auch noch die kurze Zeit stärken u. bewahren und die Versuchungen überwinden helfen. -

Die Verfolgung durch die Nazis vermag seinen Glauben nicht zu brechen. Das geht aus einem Brief hervor, den er am 28. März 1944 an seine Frau schreibt. In diesem Brief lässt er auch seinen Sohn Theo grüßen:

Ich wünsche Ihm alles Gute und vor allem ein gesunden und klaren Blick. Möge er erkennen was Millionen Menschen verborgen bleibt. - [...]

Es würde mich freuen wenn ich eines Tages die Nachricht erhielt, dass Theo den Weg gefunden hat den seine Eltern gegangen sind. -

Am 25. April 1944 verurteilen die Nazis Max Grau wegen "Zersetzung der Wehrkraft" zum Tode und "dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte". Das Todesurteil wird am 22. Mai 1944 vollstreckt (Sterberegister des eigens für das besetzte westnorwegische Gebiet eingerichteten Standesamtes Oslo mit der Nr. 169/1944). Als letzter Aufenthaltsort ist Alta angegeben.

Doch vereinzelt lässt sich auch Positives berichten. So schildert Detlef Garbe den Fall von Bruno Knöller (geb. 1922). Er zog, zusammen mit seinem Bruder Helmut (geb. 1920), im Jahr 1937 von Simmozheim nach Heilbronn (Schillerstraße), weil beide im Stuttgarter Raum aufgrund ihrer Verweigerung des Hitler-Grußes keine Berufsausbildung erhalten konnten. (Helmut Knöller hatte seine Ausbildung in Stuttgart abbrechen müssen.(35)) In Heilbronn begann Bruno Knöller eine Lehre als Kaufmann bei der Firma C.F.Frey Nachf., Inhaber W. Rechkemmer (Badstraße). Sein Bruder erhielt eine Lehrstelle bei der Firma Georg Diener (Titotstraße). Bruno Knöller wurde jedoch - nach einem Verhör durch die Gestapo - fristlos entlassen.(36) Einige Zeit danach fand er vorübergehend Arbeit bei der Firma Ernst Mayer (Briefhüllen). Aufgrund einer Krankheit, einem schweren Nierenleiden, wurde er als zeitlich untauglich bis zum 31. Dezember 1944 vom Wehrdienst zurückgestellt. Ohne Nachmusterung erhielt er jedoch im Herbst 1944 einen Gestellungsbefehl. Aufgrund des Rats seiner Ärztin, Frau Dr. Rath, begab er sich dann zum Wehrbezirkskommando Heilbronn, um selbst eine Nachmusterung zu beantragen. Dort half ihm ein verständnisvoller Beamter, die nächsten Wochen zu überbrücken. Schließlich tauchte Bruno Knöller, nach dem Bombenangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944, unter. Eine Zeitlang konnte er sich bei verschiedenen Bekannten, u.a. "bei einem Heilbronner Fabrikanten, verbergen, der ihm Schutz bot, obwohl er selbst kein Zeuge Jehovas war." (37) So überlebte er.

Sein Bruder Helmut erhielt im März 1940 den Gestellungsbefehl. Wegen Wehrdienstverweigerung kam er dann am 1. Juni 1940 ins KZ Dachau, am 3. September 1940 wurde er ins KZ Sachsenhausen 'überstellt'. (38) Später verlegte man ihn auf die Gefangeneninsel Alderney (Frankreich). Nach der Invasion der Alliierten in Frankreich kam er ins KZ Nordhausen, später nach Österreich. Dort befreiten ihn im Mai 1945 die US-Streitkräfte.

Trotz aller Härten und Schwierigkeiten überlebten Helmut und Bruno Knöller das dritte Reich. Nicht so Wilhelm Schenk (1899-1939, Neckarsulm, Bleichstraße 3). Er wurde 1922 ein Ernster Bibelforscher - zunächst der einzige im ganzen Ort. Aufgrund seiner religiösen Überzeugung verlor er 1934 seine Arbeitsstelle. Danach mußte er sich und seine Familie als Hilfsarbeiter auf dem Bau über Wasser halten. Am 6. Oktober 1938 wurde er das erste Mal verhaftet und war bis zum 1. Mai 1939 im Gefängnis in Heilbronn. Nach der Mobilmachung erfolgte am 26. August 1939 seine zweite Verhaftung. Bis zum 6. Oktober 1939 befand er sich erneut im Gefängnis in Heilbronn, dann wurde er nach Berlin-Plötzensee überführt. Dort wurde er am 11. November 1939 wegen Wehrdienstverweigerung enthauptet. (39) Sein Abschiedsbrief - wenige Stunden vor seinem Tod verfasst - ist ein erschütterndes und bewegendes Dokument: Sowohl Zeugnis einer unmenschlichen Diktatur als auch eines standhaften Glaubens, den selbst der Tod nicht brechen konnte.

Lb Mina & Willi!

Lobet Gott & haltet seine Gebote! Ich habe den guten Kampf des Glaubens gekämpft ich habe den Glauben bewahrt! Ich will euch Lb Mina nun schreiben, daß ich zum letzten mal schreibe. Aber Herzlich möchte ich dich bitten sei stark vertraue auf Gott, damit du noch Willi als Stütze dienst. Es war nicht möglich dich früher zu verständigen ich habe es heute Abend 7 Uhr selbst erst erfahren. Gott hat es nun Wohlgefallen, daß ich meinen Lauf auf dieser Erde beende. Seit nun nicht bedrübt oder verzagt sondern danket Gott, daß er mir Kraft gegeben hat alles zu tragen. Hier kann ich ja nicht alles mehr schreiben was ich wünsche da ja der Raum zu klein ist.[...]

Lb Mina ich habe keinen Augenblick gezweifelt bis auf den heutigen Tag & bin auch völlig Innerlich befriedigt bis zur letzten Stunde. Ich weis das ich nur für Gott & seine Sache gekämpft habe doch bin ich nicht der erste der nicht verstanden wird. Es ist nun gut Lb Mina, daß ich hier bin so gern ich von dir noch Abschied genommen hätte, aber für dich währe es bestimmt schwerer & so hat es Gott zugelassen, daß wir uns in Heilbronn zum letzten mal gesehen haben. [...]

Das Urteil wird am 11. Vollstreckt also bis der Brief ankommt bin ich von Erden erlöst. Ich weis aber daß Gott euch Kraft gibt denn das wird mein letzter Wunsch sein. Laßt nun die Dinge kommen wie sie Gott bestimmt hat. Emil & Anna Grüße ich auch & weiß, daß sie dir allezeit eine Hilfe sein werden. Es wird ja für deine Mutter auch schwer sein aber ich überlasse es euch wie ihr das sagen wollt. [...]

Grüße alle Bekannten von mir Herzlich & viel Kraft für Emilie es ist nun des Christen Lauf einmal so bestimmt. Also Paula sagst Herzliche Grüße & macht euch das Leben nicht schwer. Gott gebe euch Kraft sowie auch mir daß ich bis zur letzten Stunde stehen darf. Lebt wohl im Herrn & vertraut auf Gott & Willi sei immer der Mutter gehorsam so wird dich Gott behüten.

Letzten Gruß von euerem Wilhelm.

Hat sich der Widerstand gelohnt?

Es erscheint mir vermessen, diese Frage heute als Nichtbeteiligter - in einer Zeit der Ruhe und Stabilität, die ein Rechtsstaat garantiert - zu beantworten. Deshalb lasse ich einen der Beteiligten selbst zu Wort kommen, soll er das Fazit ziehen:

Als kleine Existenzen stehen die meisten Menschen - so auch ich - hilflos in der geschichtlichen Talsohle des Lebens. Man wird mit dem Ablauf der Ereignisse mitgerissen, ohne Einfluss nehmen zu können. Man weiß einfach nicht, was mit einem geschieht. Wo geht es lang? Wer hat noch die Orientierung? Wer zieht welche Fäden?

Trotzdem ergeben sich Chancen, die einen Menschen zufrieden stellen können - man muss sich selbst treu sein, darf sich nicht das Rückgrat brechen lassen. Aus meinen Erfahrungen kann ich sagen, dass man nur Verpflichtungen seinem Gewissen und Gott gegenüber hat. Mein manchmal kindliches Gottvertrauen - durchweg im positiven Sinne gemeint - meinem Gott "Jehova" gegenüber, hat mir geholfen, betrübliche Situationen besser zu meistern. (40)

Nach dem Holocaust

Als sich die Tore der Konzentrationslager öffneten, kamen erstaunlicherweise mehr Zeugen Jehovas heraus, als hineingegangen waren. Ihr Missionseifer hatte sogar hinter den Toren der Konzentrationslager nicht Halt gemacht, so dass Mithäftlinge sich den Zeugen Jehovas anschlossen. Es existieren Berichte, wonach in einigen Lagern heimliche Taufen stattgefunden haben. Im Jahre 1946 organisierte man den ersten Nachkriegskongress der Zeugen Jehovas in Nürnberg. Als Austragungsort wählte man das ehemalige Reichsparteitagsgelände. Man empfand das als Triumph über das NS-Regime. Als Kongress-Plakette wählte man den Lila Winkel, als Ausdruck der Unbeugsamkeit der Zeugen Jehovas im Dritten Reich. Den 6000 Anwesenden war es eine Genugtuung, als Erich Frost, selbst ein Verfolgungsopfer, am Sonntag, den 29. September, in seinem Hauptvortrag, betitelt: Christen im Feuerofen, auf die brutale Verfolgungszeit Bezug nahm, während Nürnberg zur gleichen Zeit Schauplatz der Kriegsverbrecherprozesse war. Für den nächsten Tag war von der amerikanischen Militärregierung die Urteilsverkündung angekündigt worden. So traf es sich, dass während die Urteile gegen die Hauptverantwortlichen der Nazi-Verbrechen verkündet wurden, auf dem ehemals nationalsozialistischen Propagandagelände der Kongress von Nazi-Verfolgten mit dem Motto Starken Herzens für die Nachkriegszeit zu Ende ging. (41)

Im Gegensatz zu vielen jüdischen Gemeinden, die nach dem Krieg nie wieder belebt werden konnten, sind Jehovas Zeugen in Deutschland, so auch in Heilbronn, bis heute präsent. Innerhalb weniger Jahre vervielfachte sich ihre Zahl. So gibt es heute in Heilbronn vier deutsche, eine italienische sowie eine jugoslawische Gemeinde mit etwa 500 aktiven Mitgliedern. Zeitweise existierten auch noch eine englische, eine griechische und eine spanische Gemeinde. In Deutschland stieg die Zahl der Zeugen Jehovas bis 1997 auf etwa 170 000, weltweit auf über 5 600 000 Mitglieder.

Im Jahr 1953 wurde in Heilbronn (August-Schreiber-Weg/Besigheimer Straße) der erste Versammlungssaal erbaut. Die Steine hierfür erhielt man aus alten, abgebrochenen Salinetürmen der Kali Chemie auf der Schanz.

Unmittelbar neben dem ersten Saal wurde 1973 ein zweiter erstellt (Besigheimer Straße 41 (42)). Ein kleiner Saal mit ca. 35 Sitzplätzen wurde in den 70er Jahren in der Kernerstraße 47/1 bezogen. Im Jahr 1997 erwarben die Zeugen ein weiteres Grundstück im Gewerbegebiet Böckingen-West (Reinerstraße 17). Aller Voraussicht nach werden dort 1999 zwei oder drei weitere Säle entstehen.

Mit der Aufarbeitung der Geschichte der Zeugen Jehovas und ihres passiven Widerstands in der Nazi-Zeit - dem bewegtesten Teil ihrer Geschichte in Deutschland - wurde erst in den letzten Jahren begonnen. Die Häftlinge mit dem Lila Winkel galten lange Zeit als vergessene Opfer. Heute erkennt man mehr und mehr den Lehrwert dieses Kapitals der Nazi-Zeit. Der Nürnberger Journalist Walter Gallasch schrieb: "Sie sind als Opfer der Jahre der Gewalt in Deutschland nicht vergessen, doch sie stehen im Hintergrund. Dabei ist ihre Standhaftigkeit beeindruckend, ihr Ethos bewundernswert". (43) Prof. Jürgen Dittberner, Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, meinte anlässlich der Welturaufführung einer Videodokumentation mit dem Titel Standhaft trotz Verfolgung. Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime: "Solche Widerständler gab es viel zu wenige im Nazideutschland".


(1) Daniel Kapitel 3, Vers 15. Zitiert nach: Neue-Welt-Übersetzung der heiligen Schrift mit Studienverweisen. Hrg. von der Watch Tower Bible and Tract Society of New York, Inc. (Revidierter Text), Selters 1986.

(2) Detlef Garbe: Der Lila Winkel. Die "Bibelforscher" (Zeugen Jehovas) in den Konzentrationslagern. In: Dachauer Hefte. Studien und Dokumente zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 10 Jg., Heft 10, November 1994, S. 4.

(3) The Golden Age. Hr. von der Watch Tower Society of New York, Ausgabe vom 4. Januar 1933, S. 207. Zitiert nach: Erwachet. Hr. von der Wachtturm-Gesellschaft, Ausgabe vom 22. August 1995, S. 6. Die Bibelforscher stützten ihre Einschätzung des Nationalsozialismus auf ihr Bibelverständnis, wonach die totalitäre Struktur und die militärische Ausrichtung der Nazis dem christlichen Ziel der Nächstenliebe entgegengesetzt und damit eine Konfrontation zwischen beiden Anschauungen zu erwarten sei.

(4) In der polemischen, gleichermaßen zum Superlativen wie zum Abwertend-Monumentalen neigenden klischeehaften Bürokratensprache des Dritten Reiches liest sich das dann so: "Ihr [der Zeugen Jehovas] mit ungewöhnlichem Fanatismus geführter Kampf gegen alles Völkische und Staatliche führte zu einer äußerst gehässigen Haltung gegen den Nationalsozialismus und seine maßgebenden Männer." (Schutzbrief Nr. 1 der SD-Dienststellen in Württemberg vom 5. August 1936).

(5) Martin Niemöller: Ach Gott vom Himmel sieh darein. - Sechs Predigten. 1946, S. 27f.

(6) Die Ernsten Bibelforscher hatten bereits 1931 den Namen Zeugen Jehovas angenommen, dennoch wurden sie von den Nazis weiter mit ihrem alten Namen bezeichnet.

(7) Detlef Garbe: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im "Dritten Reich". München 1993, S. 149ff.

(8) Kirsten John: "Mein Vater wird gesucht ..." Häftlinge des Konzentrationslagers in Wewelsburg. Historische Schriften des Kreismuseums Wewelsburg. Band 2.

(9) Garbe 1993 a. a. O.

(10) Beeidigter Bericht des Schriftstellers Karl Wittig, Urkundenrolle Nr. 778 / 1947, Notar Otto Ludwig, Frankfurt/Main. Zitiert nach: Der Wachtturm. Hrg. von der Wachtturm-Gesellschaft, Ausgabe vom 1. Oktober 1955, S. 590f.

(11) Siehe dazu: Streiflichter aus Verfolgung und Widerstand 1933-45. Hr. von der VVN Kreisvereinigung Ludwigsburg, Heft 5, S. 47.

(12) Zitiert nach: Erwachet. Hrg. von der Wachtturm-Gesellschaft, Ausgabe vom 22. August 1995 1995, S. 9.

(13) Garbe 1993 a. a. O.

(14) Standhaft trotz Verfolgung. Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime. Videodokumentation der Watch Tower Bible and Tract Society of New York, Inc. 1996.

(15) Garbe 1993 a. a. O. S. 417, Fußnote 413

(16) Manfred Otzelberger: Vergessene Helden. In: Nordbayerischer Kurier Nr. 50 vom 1./2. März 1997.

(17) Auf diese Bild bin ich in folgendem Werk gestoßen: Franz Zürcher, Kreuzzug gegen das Christentum. Moderne Christenverfolgung. Eine Dokumentensammlung. Zürich, New York 1938, S. 97

(18) Heinrich Markert: In 'Freiheit' die Lauterkeit bewahrt. Lebenserinnerungen von Heinrich Markert. Maschinengeschriebenes Manuskript Stuttgart 19xx.

(19) Ein Teil dieser Angaben hat Marta Geldner am 3. Dezember 1945 gemacht. Ich habe sie wiedergegeben nach einem Auszug aus dem Geschichtsarchiv der Wachtturm-Gesellschaft, Selters, vom 13. Januar 1998.

(20) Ein Teil dieser Angaben stammt von seiner Tochter, Hedwig Baden. Ich habe sie wiedergegeben nach einem Auszug aus dem Geschichtsarchiv der Wachtturm-Gesellschaft, Selters, vom 13. Januar 1998. Ein weiterer Teil der Angaben stammt aus dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau (Brief vom 5. Februar 1998)

(21) "Von 1933 bis 1940 war [Hugo Kölle] zunächst stellvertretender Bürgermeister und dann 1. Beigeordneter der Stadt Heilbronn". (Uwe Jacobi: 5000 Mark für Rathaus-Akten aus NS-Zeit. In: Heilbronner Stimme vom 26. Januar 1977)

(22) Brief von Heinrich Markert vom 27. Januar 1998. Bei den Zitaten aus diesem Dokument - das gilt auch für alle anderen Dokumente - belasse ich Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals.

(23) Garbe 1993 a.a.O. S. 169

(24) Grundlage dieser Verurteilung - und das galt für viele Zeugen Jehovas im dritten Reich - war §4 Abs. 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze vom Volk und Staat vom 28.02.1993 in Verbindung mit der Verordnung des Württembergischen Innenministers vom 01.02.1934. Diese Angaben zur Verurteilung von Richard Dutt finden sich in den Akten des Staatsarchivs Ludwigsburg.

(25) Ein Teil dieser Angaben wurde am 14. November 1945 von Richard Dutt in Heilbronn gemacht. Ich habe sie wiedergegeben nach einem Auszug aus dem Geschichtsarchiv der Wachtturm-Gesellschaft, Selters, vom 13. Januar 1998.

(26) Grabe 1993 a.a.O. S. 179ff.

(27) Charlotte Müller: Gott ist mir Zuflucht und Stärke. Zitiert nach: Der Wachtturm. Hrg. von der Wachtturm-Gesellschaft, Ausgabe vom 1. Januar 1998.

(28) Die Namen sind im Original ausgeschrieben.

(29) Ein Teil dieser Angaben wurde am 2. Dezember 1945 von Sofie Gurr in Obereisesheim gemacht. Ich habe sie wiedergegeben nach einem Auszug aus dem Geschichtsarchiv der Wachtturm-Gesellschaft, Selters, vom 13. Januar 1998. Ein weiterer Teil der Angaben stammt aus dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau (Brief vom 5. Februar 1998). In diesem Brief wird auch erklärt, dass 'Invilidentransport' "Tötung durch Gas im Schloss Hartheim bei Linz an der Donau" bedeutete.

(30) Garbe 1993 a.a.O. S. 501

(31) Familie Kühner zog 1939 nach Ravensburg um. Ob dieser Umzug in Zusammenhang mit ihrer Verfolgung durch die Nazis steht, konnte ich nicht ermitteln.

(32) Diese Angaben wurden am 20. November 1945 von seiner Frau Frieda Bauer in Asperg gemacht. Ich habe sie wiedergegeben nach einem Auszug aus dem Geschichtsarchiv der Wachtturm-Gesellschaft, Selters, vom 13. Januar 1998.

(33) Diese Angaben wurden im Dezember 1945 von Richard Dutt, Heilbronn, gemacht. Ich habe sie wiedergegeben nach einem Auszug aus dem Geschichtsarchiv der Wachtturm-Gesellschaft, Selters, vom 13. Januar 1998.

(34) Ein kurzer Abriss über Max Grau findet sich in den Nordheimer Mitteilungen, September 1989, S. 3. Vgl. auch: Stefan Marhoff: An einem Tag wurde das Dorf überrannt. In: Heilbronner Stimme vom 7. April 1995.

(35) Siehe Garbe 1993 a.a.O. S. 182 und 186.

(36) Noch heute erinnert sich Bruno Knöller dankbar daran, dass ihn sein Chef schützte, so gut es ging. Doch nachdem er Gestapo-bekannt geworden war, blieb der Firma wohl zur Entlassung keine Alternative mehr.

(37) Garbe 1993 a.a.O. S. 387f.

(38) Ein Teil der Angaben stammt aus dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau (Brief vom 5. Februar 1998).

(39) Eine Schilderung der Verfolgung der Familie Schenk aus Sicht seiner Ehefrau befindet sich in: Frau S. eine Bibelforscherin: Auf uns hat man mit den Fingern gedeutet. In:  Heimatfront, Werkstattgruppe der Frauen für Frieden/Heilbronn. Wir überlebten. Frauen berichten. Stuttgart 1985 S. 131ff.

(40) Max Hollweg: Es ist unmöglich von dem zu schweigen, was ich erlebt habe. Zivilcourage im Dritten Reich. Bielefeld 1997, S. 7

(41) Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974. Hrg. von der Wachtturm-Gesellschaft, Wiesbaden 1974, S. 215.

(42) Diesem Saal vermachte das Ehepaar Löchner, von Heinrich Löchner war ja bereits die Rede, im Jahre 1981 der Heilbronner Gemeinde.

(43) Mutig, beharrlich. In: Schwabacher Tagblatt vom 22./23. März 1997.
 

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