Zeitzeugen aus dem Raum Stuttgart
Otto Wulle
Konzentrationslager statt Kaserne
Otto
Wulle wurde am 29. Oktober 1913 in Neuhütten bei Heilbronn geboren. Seine
Überzeugungen wurden stark durch das religiöse Elternhaus geprägt. Schon im
Ersten Weltkrieg verweigerte sein Vater, ein eifriger Baptist, den Waffendienst
und arbeitete als Schuhmacher beim Militär. Während der Weimarer Republik
beschäftigte sich die Familie dann intensiv mit der Literatur der
Bibelforscher. Als die Nazis in Deutschland die Macht übernahmen, schwamm der
junge Handwerker kräftig gegen den Strom. "An Wahltagen waren wir einfach
von zu Hause weggegangen", erinnerte er sich. "Als die Polizei mich
dann abholen wollte, war ich nicht da."
Am 8. Mai
1939 musste sich Otto Wulle bei der Wehrmacht melden. Statt die Uniform
anzuziehen gab er seinen Wehrpass ab. Der Hauptmann räumte ihm noch drei Tage
Bedenkzeit ein, um seine Entscheidung zu revidieren. Doch Otto Wulle folgte der
Stimme seines Gewissens, weshalb er ins Militärgefängnis gebracht wurde. Vor
dem Luftwaffengericht in München wurde er wegen Gehorsamsverweigerung zu einer
neunmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die er im Militärgefängnis von
Germersheim am Rhein absitzen musste. Anschließend musste er ins KZ
Sachsenhausen. Im April 1945 war er mit 26 000 Häftlingen auf dem Todesmarsch
nach Schwerin unterwegs. Dort wurde er dann im Mai von den alliierten
Streitkräften befreit.
Im Sommer
desselben Jahres heiratete er seine Frau Gertrud. Ab März 1947 waren beide als
reisende Missionare im süddeutschen Raum unterwegs. Im Sommer 1989 ist Otto
Wulle in Asperg bei Ludwigsburg gestorben.
Quelle:
Öffentlichkeitsarbeit der Zeugen Jehovas, Baden-Württemberg
Siehe auch:
Gertrud Wulle
Lebenslauf seiner Frau
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