| Hermann und Elfriede Schmidt
Hermann Schmidt, wie seine Frau Jahrgang 1898, diente im 1. Weltkrieg
als Soldat. Die Abneigung gegen widersinnige Töten prägte den jungen
Hermann Schmidt.
Nach der Hochzeit gründete das Ehepaar in den 1920 Jahre einen
Gartenbaubetrieb in Brieg, Bez. Breslau. In dieser Zeit nahmen sie den
Glauben der Zeugen Jehovas an und wurden Mitglieder der neu gegründeten
Gruppe in Brieg.
Als 1933 die Organisation der Internationalen Bibelforscher, wie die
Zeugen Jehovas damals genannt wurden, verboten wurde, bedeutete dies für
die Gruppe um Hermann Schmidt, dass sie ihre Tätigkeit in den Untergrund
verlegen mussten. Trotz aller Vorsicht kam es zu Verhaftungen, Wohnungen
wurden durchsucht, Bibeln und Literatur beschlagnahmt. Hermann Schmidt
berichtet, dass er bei der Verbreitung einer Broschüre, betitelt
"Faschismus oder Freiheit!" zum ersten Mal von der SS verhaftet
wurde – aber gleich wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.
Nachdem die deutsche Zentrale in Magdeburg mit ihrer Druckerei von den
Nazis geschlossen wurde, versuchten die Zeugen Jehovas, sich biblische
Literatur aus dem Ausland zu beschaffen. Hermann Schmidt und sein Bruder
Max waren brachten nachts Rucksäcke voll religiöser Schriften über die
deutsch-tschechische Grenze. Das ging natürlich nur eine Weile gut: Die
erste Verurteilung erfolgte 1935 durch ein Sondergericht und brachte
Schmidt 20 Tage Gefängnis und 200 RM Geldstrafe, die aber durch die
folgende Hindenburg-Amnestie erlassen wurde.
Nun wurde der Gärtnereibetrieb Schmidts boykottiert.
Nach einer erneuten Festnahme wurde Schmidt im Jahre 1936 vom
Sondergericht Breslau zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Bald nach der Entlassung wurde er wieder verhaftet. Diesmal erhielt
Schmidt drei Jahre Zuchthaus und wurde anschließend in das KZ Esterwegen,
ein Moorlager in Norddeutschland, überführt.
Während seiner ersten Haftjahren wurde von den staatlichen Behörden
dem Ehepaar Schmidt die beiden Kinder weggenommen. Begründung: Die Eltern
sind Anhänger der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung!
Die beiden Kinder Georg (13) und Hanna
(11) wurden getrennt und bei verschiedenen, auch räumlich weit entfernten
Pflegefamilien untergebracht.
1941 wurde auch Elfriede Schmidt verhaftet und zu zwei Jahren
Gefängnis verurteilt, die sie im Frauengefängnis Breslau verbrachte.
Nach Verbüßung der Strafe kam sie ins Frauen-KZ Ravensbrück, wo sie
1945 von den alliierten Truppen befreit wurde.
Nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern brauchte das Ehepaar
Schmidt fast ein Jahr, um sich gegenseitig zur finden und erst Januar 1946
konnten sie sich wieder in die Arme schließen. Gemeinsam ging es dann auf
die Suche nach den Kindern.
Nach über 12 Jahren konnten sie auch Hermann Schmidts Bruder Max
wiedersehen. Er überlebte lange Jahre im KZ Buchenwald. Er fand in
Pforzheim eine neue Heimat.
Der neue Wohnsitz der Familie Schmidt war Reichenbach im Vogtland
gehörte zur russischen Besatzungszone. Da auch in der DDR die
Religionsgemeinschaft der Jehovas Zeugen verboten wurde, begann für
Schmidt begann erneut die Untergrundtätigkeit. 1952 erfolgte wiederum
eine Verhaftung und Verurteilung zu zehn Jahren Zuchthaus in Waldheim,
Torgau. Wegen seiner im Nazi-KZ erlittenen Herz- und Nierenleiden wurde
seine Haft nach vier Jahren unterbrochen.
Hermann und Frieda Schmidt wohnten nach 1956 eine Zeitlang in Kollnau
in der damaligen Kolpingstraße. Nach einer geraumen Zeit in Emmendingen
kehrte das Ehepaar Schmidt wieder ins Elztal zurück und nahm in Waldkirch
Wohnsitz.
Beide sind inzwischen verstorben und auf dem Waldkircher Friedhof
beerdigt.
Quelle:
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Jehovas Zeugen im Elztal
anlässlich der "Standhaft"-Veranstaltung
vom 19. bis 23. März in Waldkirch
Siehe auch:
Georg Schmidt
Lebensbericht
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