Günther Schilberz

Im Alter von 6 Jahren musste ich erfahren, dass mein Vater verhaftet wurde, es war der 05.07. 1935. Er kam in Haft und später ins Konzentrationslager Esterwegen. Ende 1937 wurde auch meine Mutter zu ca. 1 Jahr verurteilt.

Wir Kinder wurden solange bei Verwandten untergebracht. Aufgrund eines Amnestiegesetztes kam meine Mutter am 30.04.1938 frei. Wegen der ganzen Umstände mussten wir eine kleinere Wohnung beziehen und bekamen außerdem einen Vormund. Es war ein SA-Mann in Uniform. Da unsere Wohnung aber für die Möbel zu klein war, ließ sich die Tür nicht ganz öffnen. Das hatte zur Folge, das unser Vormund, der sehr dick war, nur in unsere Wohnung kam, wenn er seinen Bauch fest gegen die Tür stemmte. Da dies wohl sehr umständlich für ihn war, besuchte er uns nur selten.

So mussten meine Schwester und ich auch Hausdurchsuchungen miterleben, wobei uns gesagt wurde. "Wenn ihr sagt, wo die Sachen liegen, bringen wir auch nichts durcheinander!"

Das Problem war, als Kinder nicht dahin zu schauen, wo die bibelerklärenden Zeitschriften versteckt waren. Doch wir schafften es.

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