Wer war Luise Pakull?
 
Im Juli 1992 wurde der Beschluss des Rates der Stadt Neuss ausgeführt, eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus am Rathaus anzubringen. 

"Ihr Tod ist uns Mahnung” heißt es dort. Es werden Namen und Taten genannt, die nicht in Vergessenheit geraten sollen. 

Einer dieser Namen lautet Luise Pakull 

Luise wurde am 8. November 1895 im Kreis Hattingen geboren. Ihre Eltern waren die Eheleute Amalie und Friedrich Pakull. Sie wohnten später in Herne. Als junges Mädchen oder junge Frau lernte Luise Englisch, möglicherweise gab es sogar einmal einen kurzen Aufenthalt in England.

Sie stand 1930 im Briefwechsel mit einer Familie Ferguson. Zu dieser Zeit wohnte und arbeitete Luise bereits seit einigen Jahren in Möchengladbach-Rheydt. Etwa im Herbst 1923 war sie eine Bibelforscherin geworden. Die Familien, bei denen sie als Hausangestellte tätig war, waren ebenfalls Bibelforscher. Ein Unternehmer und seine Frau Henriette, bei denen sie einige Jahre lebte und mit denen sie freundschaftlich verbunden war, wurden gemeinsam mit Luise am 4. August 1944 zu Tode verurteilt. Henriette ist sogar am selben Tag wie Luise hingerichtet worden. Auch andere Freunde von Luise starben 1944 durch die Hand des Henkers. Aber davon ahnten sie in den frühen 1930er Jahren bestimmt noch nichts – Fotos, die noch existieren, zeugen von einer frohen Zeit.

Luise muss gerne mit anderen über ihren Glauben gesprochen haben. Der Gestapo gestand sie, selbst nachdem es verboten war, noch mit der Bibel in der Hand in die Häuser der Menschen gegangen zu sein, um mit ihnen biblische Gespräche zu führen.

Im Dezember 1936 wurde sie verhaftet und anschließend zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Auch danach arbeitete sie wieder als Hausangestellte, jetzt aber in Neuss. Es galt wieder in einem Geschäftshaushalt zu helfen, deren Inhaber Bibelforscher waren.
 

Luise war ledig, aber sie mochte offensichtlich Kinder. Diejenigen, die Luise Pakull noch kennengelernt haben, erinnern sich gerne an sie. Heinz berichtet: " Mit Luise war ich ins Ahrtal gefahren. Sie war oft unser ‘Nothelfer’, wenn wir - Vater und ich! - zeitweise ohne Haushaltshilfe waren. Mir hat sie die Mutter etwas ersetzt, werde sie daher nie vergessen können!” - "Wie schon früher erwähnt, war Luise der einzige ‘Lichtblick’ für mich in den so harten Jugendjahren.”

Helga schreibt: "Luise Pakull war eine sehr bescheidene, aber intelligente [Frau].” Aus Gesprächen wird deutlich, daß auch andere Neusser Zeitzeugen, die die NS-Zeit als Kinder erlebten, sich an Luise Pakull gerne erinnern, sie als einen Menschen in Erinnerung haben, der auf Kinder anziehend wirkte.

Käthe erzählt: "Ich habe Luise gerne besucht. Manchmal durfte ich auch bei ihr übernachten ... das gute Verhältnis zu ihr hat mir viel bedeutet.” Inge hat das folgende, hübsch verzierte Gedicht aufgehoben, das sie im Mai 1938 von Luise geschenkt bekam:

Mein liebes kleines Ingelein,
Das stimmt nicht ganz, Du bist nicht klein;
Wie dem auch sei, eins wünsch’ ich Dir,
Werd größer noch zu Deiner Eltern Zier.
Vergesse auch das Beten nicht,
Lieb’ Gottes Wort, das wahre Licht.
Dann wirst Du diesen Tag unzähl’gemal erleben;
Denn der’s verheißen hat, der kann’s auch geben.
Dies wünscht Dir von Herzen

Tante Luise
 

Luise Pakull war aufgeschlossen und freundlich.
Und sie war eine Frau, die mutig und standhaft in ihrer Überzeugung war.

Im Frühjahr 1943, vielleicht auch früher, begann Luise Pakull damit, religiöse Schriften, die im Untergrund hergestellt worden waren, in Düsseldorf abzuholen und an verschiedene Glaubensschwestern weiterzugeben. Am 31. Januar 1944 wurde sie deswegen von der Gestapo verhaftet. Es folgten Monate im Polizeigefängnis, nur unterbrochen von Verhören und der Vorführung vor den Richter, der weitere Haft anordnete.

Am 4. August 1944 verurteilte der 6. Senat des Volksgerichtshofes insgesamt neun Zeugen Jehovas aus Neuss, Düsseldorf, Herne und Rheydt wegen "Wehrkraftzersetzung und Feindesbegünstigung”.

Sieben von diesen wurden zu Tode verurteilt, auch Luise Pakull. Sie wurde am 8. Dezember 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Literaturhinweise:

Garbe, Detlef,
"Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im "Dritten Reich" (Studien zur Zeitgeschichte Band 42)",
R. Oldenbourg Verlag, München, 3.Auflage, 1997, Seite 348;

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