Biographie Josef Niklasch

Josef Niklasch, Zeitzeuge einer dramatischen Historie. Geboren in Sternberg (ehemals Sudetenland), wuchs er in einer christlich orientierten Familie auf. Die erste Begegnung seiner Familie mit Jehovas Zeugen, den damaligen Bibelforschern, fiel in die Jahre 1932/33. Seit dem Jahre 1935 setzte er sich aktiv für die Interessen der Zeugen Jehovas ein und führte seinen Beruf als Maschinensetzer in der Zentrale von Jehovas Zeugen in Prag fort. Die folgenden Jahre erwiesen sich als Odyssee im weiteren Lebensweg.  Charakterisierend ist seine notwendige Flucht als Volksdeutscher nach dem Verbot von Jehovas Zeugen in der damaligen Republik Tschechoslowakei im Jahre 1939. Sein Weg führte ihn ohne gültige Papiere über Österreich und Deutschland nach den Niederlanden, wo er wiederum in der Zentrale von Jehovas Zeugen in Haarlem tätig wurde. Zu seinen Aktivitäten zählte der Aufbau der dortigen Druckerei. Kaum war diese Abteilung aufgebaut, traten neue politische Ereignisse ein, die zu einer nochmaligen Inhaftierung als Volksdeutscher in den Niederlanden mit anschließender Ausweisung nach Deutschland führten. Es gelang ihm, sich wiederum ohne Papiere nach Wien durchzuschlagen, wo er im Untergrund für Jehovas Zeugen tätig wurde. Am 12. Juni 1940 wurde er von der Gestapo verhaftet und anschließend in Wien vor Gericht gestellt. Die Anklage lautete auf Wehrkraftzersetzung und Kriegsdienstverweigerung und endete mit einer Verurteilung zu acht Jahren Zuchthaus. Bestehen blieb die Inhaftierung mit einer Weiterleitung in das Durchgangslager Papenburg (an der holländischen Grenze), wo er aufgrund der Schwerstarbeit in einem Moorgebiet zu einem Skelett abmagerte. Dem folgte gegen Ende des Jahres 1943 die Überführung in das Zuchthaus Brandenburg bei Berlin, wo er 1945 durch die Rote Armee befreit wurde. Eine Rückkehr in seine alte Heimat nach Sternberg wurde ihm behördlicherseits verwehrt, worauf er nach Magdeburg, der Vorkriegszentrale von Jehovas Zeugen in Deutschland, ging. Dort lernte er seine Frau Gretel kennen, die ebenfalls viele Jahre im Konzentrationslager Ravensbrück als Häftling verbracht hatte. Heute lebt er als aktiver Zeuge Jehovas in Frankfurt/M.

Quelle:

Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas in Bremen;
Pressemappe zur Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung", 1997, 1999

Literaturhinweise:

Presseinformation zum Video "Standhaft trotz Verfolgung - Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime", vom  6.November 1996,
Hrsg.: Informationsdienst der Zeugen Jehovas, Selters.

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