| Johanna Kreher, geb. Hilbert
Anfang der 1920er Jahre kamen Johannas (geb. 1924) Eltern Oswin und Erna Hilbert mit den Bibelforschern in Berührung. Im Jahre 1923 machten sie diesen neugefundenen Glauben zu ihrem Lebensweg und ließen sich taufen. Da sie ihrem Glauben gemäß lebten, führte es bereits anfangs der NS-Zeit zu vielerlei Drangsal und harter Verfolgung. Oswin Hilbert wurde bereits 1933 für 3 Monate in Hohenstein/Sächs. Schweiz inhaftiert, weil er nicht an den Wahlen teilgenommen hatte. 1936 wurde er dann vor ein Sondergericht gestellt und für anderthalb Jahre ins Gefängnis nach Bautzen geworfen. Von dort kam er dann direkt in Hitlers Konzentrationslager. Buchenwald, Wewelsburg, Neuengamme und Ravensbrück waren einige Stationen seines Leidensweges, bis im Jahre 1945 die Stunde der Befreiung kam. Die Historikerin Kirsten John-Stucke schildert in ihrem Buch „Mein Vater wird gesucht„ (Historische Schriften des Kreismuseums Wewelsburg 2) die unmenschlichen Verhältnisse im KZ Wewelsburg. Auf den Seiten 86 und 186 erwähnt sie dabei auch Zeugenaussagen von Oswin Hilbert. Nach der Verurteilung von Oswin Hilbert im Jahre 1936 wurde Ella Hilbert das Erziehungsrecht für ihre Kinder Johanna und Heinz entzogen. Die Kinder bekamen einen NS-Parteigenossen als Vormund. In der Schule hatten sie große Schwierigkeiten wegen der Verweigerung des Hitlergrußes und des Fahnenappells zu erdulden. Johannas Onkel Kurt war ebenfalls viele Jahre im Konzentrationslager der Nazis. Im Jahre 1946 entschied sich Johanna Hilbert, ebenfalls als Zeuge Jehovas zu leben und so ließ sie sich taufen. Gemeinsam mit ihren Eltern war sie stets bemüht, auch ihren Mitmenschen von der biblisch begründeten Hoffnung auf bessere Zeiten zu erzählen. Das führte dazu, dass die Verfolgung der Familie ab 1950 weiterging. Johanna Hilbert wurde 1950 selbst verhaftet, weil sie einen ihrer Glaubensbrüder, Alfred Skoda aus Hartmannsdorf bei Chemnitz, in Sicherheit gebracht hatte. Nach 9 Tagen Haft wurde sie wieder freigelassen. In der Wohnung ihrer Eltern wurde Alfred Skoda Unterschlupf gewährt. Bei Haussuchungen versteckten sie diesen Mann in einem Erdloch, so dass er von der Polizei nicht bemerkt wurde. So konnte Alfred Skoda bis zu seiner Verhaftung im Sommer 1951 noch viele seiner Glaubensbrüder ermuntern und stärken. Im Oktober 1950 wurde auch ihr späterer Ehemann Fritz Kreher verhaftet und für 3 Monate eingesperrt. Im Jahre 1951 gingen dann beide den Bund fürs Leben ein, um von jetzt an gemeinsam als Zeugen für ihren Gott Jehova tätig zu sein. Die Schikanen und Verfolgungen durch die Stasi und andere DDR-Behörden gingen für die Familie Kreher jedoch weiter. Am 27. März 1957 wurde Fritz Kreher erneut verhaftet, wegen Verstoßes gegen Artikel 6 der Verfassung der DDR angeklagt und vor Gericht gestellt und für drei Jahre ins Zuchthaus geworfen. Die Repressalien gingen auch in den 1960er Jahren weiter. Am 23. November 1965 wurde Fritz Kreher in Verbindung mit der Stasi-Aktion „Sumpf„ erneut verhaftet und bis zum 4. Februar 1966 in U-Haft gelassen. Dann wurde das Ermittlungsverfahren gegen ihn jedoch eingestellt. Die Stasi hatte sich in Verbindung mit ihm und seiner Familie ein neues Ziel gesetzt: Jetzt wollte man Fritz Kreher in den Augen seiner Glaubensbrüder ein für allemal unmöglich machen. Doch auch dieses Vorhaben war zum Scheitern verurteilt. In der Folge wurde die Familie Kreher mehrmals wegen ihrer Tätigkeit als Zeugen Jehovas mit Geldstrafen bis zu 1000 Mark belegt, die durch die DDR-Behörden vom Arbeitslohn bzw. später von der Rente gepfändet wurden. Doch alle Trübsal konnte zu keiner Zeit den Glauben von Johanna und Fritz Kreher brechen. Sie blieben stets freudig und standhaft – trotz Verfolgung. Heute sind beide mit Jehovas Zeugen der örtlichen Gemeinde in Annaberg-Buchholz-West verbunden. Quelle: Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas in Sachsen;Literaturhinweise:
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