Biographie Charlotte Kohlhaas

  Charlotte Kohlhaas wurde am 31.1.1909 geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Frankfurt. Schon Ende der 20er Jahre besuchte sie einen Vortag der Bibelforscher. Doch erst durch das Photo-Drama der Schöpfung wurde sie für die Botschaft der Bibel interessant. Sie selbst hatte einen Anteil an der Verbreitung der Vorführung, indem sie die einzelnen Bilder mit extra dafür getauften Buntstiften ausmalte.
  Dieses Photo-Drama der Schöpfung bewog sie, sich eingehender mit der Bibel zu befassen, schließlich ließ sich Lotte Kohlhaas 1931 als Zeugin Jehovas taufen.
  Sie berichtet:

"In meiner Begeisterung schrieb ich an Verwandte über die gehörte wunderbare Botschaft, und die Antwort darauf war ein vielseitenlanger Schmähbrief, dass ich sofort die Verbindung zu dieser 'schlimmsten aller Sekten' abbrechen müsse. Das gerade war für mich das Signal und der Beweiß dass ich auf dem richtigen Weg war, denn ich wusste bereits, dass ein Christ mit Verfolgung rechnen muss. ... So ging ich unbeirrt meinen Weg weiter. Als mein Vater hörte, dass ich aus der Kirche austreten wollte, geriet er in Weißglut vor Zorn und von da ab entwickelt er sich zu einem maßlosen Gegner.
Er schrieb am 3.4.1933 einen Brief an den "Herrn Oberbürgermeister Dr. Krebs, als Vorsitzender des Kampfbundes für Deutsche Kultur". Darin bat er, "beim derzeitigen Reinemachen in Deutschland auch diesen Verband (gemeint ist die "Internationale Bibelforschergesellschaft") nicht zu vergessen. ... Gegebenen Falls beantrage ich in meiner Wohnung Haussuchungen abzuhalten und das im Besitz meiner Tochter bzw. ihres Bräutigams befindliche Material zu beschlagnahmen."
In seiner Antwort stimmte der Oberbürgermeister diesen Bitten zu und sagt seine Unterstützung zu. Außerdem empfahl er "auch bei anderen Behörden (Herrn Polizeipräsident usw.) geeignete Schritte zu unternehmen."
"Das führte am Ende dazu, dass ich 4 Wochen vor meiner Verheiratung aus dem Elternhaus fliehen musste. Zur Hochzeit (am 24.5.33) erhielten wir den Durchschlag eines Briefes, den mein Vater an den damaligen Polizeipräsidenten von Frankfurt geschrieben hatte mit einem angehefteten kleinen Zettel etwa des Inhalts: ' Dies zu Eurem Hochzeitstag. Ich werde nicht eher ruhen, als bis diese fanatische Sekte mit Stumpf und Stiel ausgerottet ist."
Dann kamen nacheinander Hausdurchsuchungen bei Tag und Nacht, weil man Literatur und versteckten Glaubensbrüdern bei uns suchte. Eines Nachmittags, im September 1937, wurden wir dann verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert. Dort gingen die Verhör bis in die tiefe Nacht, bzw. in den Morgen."

  3 Monate saß Charlotte in Einzelhaft, danach wurde sie vor das Sondergericht Frankfurt gestellt. schließlich wurde sie über mehrere Gefängnisse in die Lichtenburg gebracht.
  Nach einigen Monaten wurde sie öfter in die Kommandantur gebracht, denn es gingen immer wieder Entlassungsgesuche ein, u. a. sie sei schwanger. Es stellte sich heraus, dass ihr Mann entlassen worden war und sich sehr dafür einsetzte, dass sie ebenfalls frei käme. Er hatte sich bis an die höchste Spitze der Partei für sie eingesetzt. Ende 1938 kam er dann in die Lichtenburg, nach kurzer Verhandlung mit der Aufseherin und der Bemerkung "es sei alles in Ordnung" durfte sie mit ihm nach Hause fahren. Lotte Kohlhaas berichtet über ihre Heimkehrer:

"Eine schmerzliche Erfahrung für mich war, als ich wieder nach Hause kam, dass mein Mann, der mit mir verhaftet war, seinen Glauben aufgegeben hatte."

  Trotzdem blieb sie ihrer Überzeugung treu, die sie auch an ihre 1940 und 1942 geborenen Kinder weitergab. Beiden Kinder teilen ihre religiöse Überzeugung. Ein Sohn saß ebenfalls wegen Wehrdienstverweigerung 5 Monate im Gefängnis.
  Kurz vor dem Tod ihres Ehemannes im Dezember 1983 erfuhr sie nach 45 Jahren von ihm, was es mit ihrer Freilassung 1938 auf sich hatte: Er hielt sich einige Zeit in der Nähe der Lichtenburg auf, nahm sich dort auch einen Anwalt und unterschrieb ohne ihr Wissen schließlich in ihrem Namen eine Erklärung, die besagte, dass man den Glauben abschwor.
  Trotz dieser Anfeindungen ist es aber nie gelungen, ihre feste Überzeugung und ihre Treue zu ihrem Gott zu brechen. Noch heute kann man in Gesprächen mit Lotte Kohlhaas spüren, welche innere Stärke und Zufriedenheit ihr aus ihrem Glauben erwachsen.

(Anm. d. Red: Mit  freundlicher Genehmigung der Tochter von Charlotte Kohlhaas veröffentlicht.)
 

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