Georg Klohe

Addi Klohe berichtet über das Schicksal seines Vaters, der 1936 als Bibelforscher verhaftet und später ins KZ eingeliefert wurde, sowie darüber, wie er als Kind mit ihm zusammen im Untergrund Schallplatten herstellte.
Addi Klohes Vater war bereits vor der Machtergreifung Hitlers Bibelforscher und somit in seinem Heimatort für seine Tätigkeit bekannt. Nach dem Verbot der Religionsgemeinschaft setzte er seine religiöse Tätigkeit so gut es ging und mit der gebotenen Vorsicht fort. 1935 begann er damit, Schallplatten mit religiösen Themen zu besprechen und zu vervielfältigen. Auf dem engen und niedrigen, aber dadurch unauffälligen Dachboden seines Geräteschuppens hatte er sich dazu nach und nach ein behelfsmäßiges Plattenstudio mit fünf Aufnahmegeräten zusammengebastelt. Während sein 12-jähriger Sohn Addi im Schuppen die technischen Geräte bediente, hielt der Vater im Wohnhaus den aufzunehmenden Vortrag. Die noch weichen Wachsplatten mussten dann noch in einem Ofen unter verräterischer Rauchentwicklung ausgehärtet werden. Im Laufe der Jahre 1935 und 1936 wurden auf diese Weise etwa 2 000 Schallplatten besprochen, von denen heute noch mindestens zwei existieren. Bei Hausdurchsuchungen blieb das Plattenstudio zu dieser Zeit unentdeckt.
Eine Auseinandersetzung mit dem Regime blieb trotzdem natürlich nicht aus, da er sich bei offiziellen Anlässen weigerte, die Nationalhymne und das Parteilied zu singen. Der Deutsche Gruß "Heil Hitler" kam für ihn ebenfalls nicht in Frage Im 1936 verlor er aus diesen Gründen seine Stellung als technischer Kaufmann, ohne einen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung zu erhalten. Herr Klohe übernahm danach eine Stellung als Seifenverkäufer. Seine Vertretertätigkeit, bei der er mit vielen Menschen in Berührung kam, nutze er für seine Aktivitäten als Zeuge Jehovas. Als er 1936 zu einem Schweizer Kongress fahren wollte, tappte er in eine Falle der Gestapo und wurde verhaftet. 4 1/2 Jahre Gefängnis lautete zunächst das Urteil. Da er am Ende der Verbüßung seiner Gefängnisstrafe seiner Gesinnung nicht abschwören wollte, wurde er sogleich nach seiner Entlassung in Schutzhaft genommen. Er überlebte die Konzentrationslager Sachsenhausen und Wewelsburg und wurde im April 1945 von amerikanischen Truppen befreit.

Literaturhinweise:

Garbe, Detlef,
"Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im "Dritten Reich" (Studien zur Zeitgeschichte Band 42)",
R. Oldenbourg Verlag, München, 3.Auflage, 1997, Seite 234, 460;

Hollweg, Max,
Es ist unmöglich von dem zu schweigen, was ich erlebt habe. Zivilcourage im Dritten Reich.,
Buchversand Edeltraud Mindt, Bielefeld, 2.Auflage, 1998, Seite 104, 144;

Hesse, Hans  (Hrsg.),
"Am mutigsten waren immer die Zeugen Jehovas" Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus,
Edition Temmen, Bremen, 1998, Seite 66, 72;

Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974,
Hrsg.: Wachtturm Bibel- und Traktat- Gesellschaft, Wiesbaden, Seite 152f;

John, Kirsten,
"Mein Vater wird gesucht..." Häftlinge des Konzentrationslagers in Wewelsburg, Historische Schriften des Kreismuseums Wewelsburg 2,
1. Auflage, Klartext Verlag, Essen, 1996, Seite 143-151;

Lila Winkel die "vergessenen Opfer" des NS-Regimes. Die Geschichte eines bemerkenswerten Widerstand.
Begleitheft zur Ausstellung, Hrsg.: Wachtturm Bibel- und Traktat- Gesellschaft, Selters (Taunus), Seite 17, Bild 34;

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