Erna Horn, geb. Henschel

Im Alter von 23 Jahren kam Erna Henschel im Jahre 1947 mit Jehovas Zeugen in Berührung. Die Botschaft der Bibel gefiel nicht nur ihr, sondern auch ihrer Mutter. So ließen sich beide im Jahre 1948 als Zeugen Jehovas taufen. Der Besuch christlicher Zusammenkünfte und der Predigtdienst wurden bald zum Mittelpunkt des Lebens der Familie.

Als im Jahre 1950 die öffentliche Tätigkeit der Zeugen Jehovas in der DDR verboten wurde, wurden die Zusammenkünfte in kleinen Bibelstudiengruppen durchgeführt. Erna Henschel leitete damals solch eine kleine Gruppe. In der Zeit bitterer Verfolgung verspürte sie stets die göttliche Hilfe und sie bekam immer wieder die Kraft, die zum Ausharren nötig war. Am 24. Oktober 1954 wurde Erna Henschel von den Sicherheitsbehörden der DDR verhaftet. Außer ihr wurden in jener Nacht noch weitere drei ihrer Glaubensbrüder aus der örtlichen Gemeinde der Zeugen Jehovas verhaftet. Erna wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dank einer Amnestie kam sie schon nach etwas mehr als 2 Jahren wieder in die Freiheit.

Über ihre Haftzeit erzählt sie:

Die Jahre im Zuchthaus haben mich in meinem Glauben nur bestärkt. Selbst in dieser Zeit waren wir nie ohne geistige Speise. Die Bibel und einzelne Seiten aus Zeitschriften wie dem ‘WACHTTURM’ standen uns trotz Beschwernis zum Lesen zur Verfügung. So konnten wir uns in der Zelle gegenseitig ermuntern und stärken.

Nach ihrer Entlassung übernahm sie wiederum die Leitung einer kleinen Bibelstudiengruppe. Obwohl sie wusste, dass die Zeugen ständig beobachtet wurden, setzte sie ihren christlichen Dienst eifrig fort. Im Jahre 1971 ging sie den Bund der Ehe mit Gottfried Horn ein, der ebenfalls ein eifriger Zeuge Jehovas war. 25 gemeinsame glückliche Ehejahre konnte sie erleben, bis ihr Ehemann im Jahre 1996 verstarb.

Was gab ihr die Kraft, trotz bitterer Verfolgung standhaft zu bleiben? Sie sagt:

Für mich waren zu jeder Zeit der Besuch der Zusammenkünfte, das persönliche Bibelstudium sowie erbauende Gespräche eine Quelle der Kraft, um auszuharren. Ich hatte stets die in der Bibel für die nahe Zukunft verheißene ‘neue Ordnung’ im Sinn. Ich freue mich, auf eine paradiesische Erde, in der es ewigen Frieden und wahres Glück für die Menschen geben wird. Kriege, Krankheiten, Hunger, Leid und Tod wird es dann nicht mehr geben. Diese realistische Hoffnung gab mir die Kraft, standhaft zu bleiben.

Heute ist Erna Horn mit der örtlichen Gemeinde der Zeugen Jehovas in Seifhennersdorf verbunden. Am Samstag, dem 11. Oktober 1997 konnte Erna Horn voller Freude miterleben, wie in ihrem Heimatort Oberoderwitz ein neuer Königreichssaal als Anbetungsstätte für die örtlichen Gemeinden von Seifhennersdorf und Neugersdorf seiner Bestimmung übergeben wurde.

Quelle:

Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas in Sachsen;
Pressemappe zur Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung"
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