| Woldemar Halse
Woldemar war 9 Jahre alt, als sein Vater im Jahre 1936 als Zeuge Jehovas in das KZ Sachsenburg eingeliefert wurde. Dieser Zeitpunkt kennzeichnete den Beginn einer Zeit schmerzlicher Verfolgung. Sein Vater wurde im KZ zu Steinbrucharbeiten eingeteilt, die nur im Laufschritt ausgeführt werden mussten. Am Ende eines harten Arbeitstages hatte jeder Gefangene einen großen Stein ins Lager zu tragen. Wessen Stein zu klein war, der wurde bestraft. Seine Mutter kam 1937 in das Gerichtsgefängnis nach Löbau. Sie wurde zu 6 Monaten Haft verurteilt, weil sie Woldemar und seinen Bruder nicht in der Ideologie des Hitlerreiches erzog. Der Oberrichter in Löbau, der Zeugen Jehovas achtete, verhinderte eine Auslieferung in ein KZ. Während dieser 6 Monate waren Woldemar und sein Bruder bei den Großeltern untergebracht. Während der Schulzeit war Woldemar vielen Repressalien ausgesetzt. So wurde er z.B. von fanatischen Nazis geohrfeigt, weil er nicht "Heil Hitler" sagte. Im Jahre 1942 setzte eine weitere Verfolgungswelle für Jehovas Zeugen ein. Seine Mutter wurde erneut inhaftiert und in das kleine Gefängnis "Äußere Lauenstraße Bautzen" gebracht. Dort waren die Verhältnisse unter aller Würde. Gefangene wurden brutal geschlagen und im Waschraum sah man öfter Blutlachen. Nach einigen Monaten Aufenthalt an diesem Ort überführte man seine Mutter in das damalige Gerichtsgefängnis Bautzen II. Kurz nach der Inhaftierung seiner Mutter wurde Woldemar als damals 16-jähriger in die Gestapozentrale Ortenburg/Bautzen gebracht und vernommen. Die Taktik der Vernehmung war recht unterschiedlich. Woldemar erinnert sich: Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges traf einer nach dem anderen aus der Familie Halse wieder in ihrer Heimatstadt Weißenberg ein. Sie waren sehr dankbar, noch am Leben zu sein. Ab dem Jahre 1950 setzte jedoch erneut harte Verfolgung der Zeugen Jehovas ein. Im Frühjahr 1953 schlug der erste Verhaftungsversuch der Staatssicherheit fehl. Trotz der gezielt abgegebenen 7 Pistolenschüsse konnte er unverletzt entkommen. Im Herbst 1953 wurde Woldemar dann in Ost-Berlin verhaftet und nach Dresden in das Stasi-Gefängnis Proschhübel-Weg eingeliefert. Nach etwa 3 Monaten kam er in das Untersuchungsgefängnis in der Dresdner Schießgasse. Erst dort stellte er fest, dass seine Eltern ebenfalls verhaftet worden waren und mit ihm angeklagt werden sollten. Die Urteile des Bezirksgerichts Dresden lauteten: 10 Jahre Zuchthaus für Woldemar, 3 Jahre für seinen Vater und 1 Jahr für seine Mutter. Während seine Mutter nach Görlitz kam, wurden er und sein Vater nach Bautzen II gebracht. Später kam Woldemar in das "Gelbe Elend" von Bautzen. Die Haftanstalten in Luckau, Cottbus und Torgau waren weitere Stationen auf dem Leidensweg des Woldemar Halse. Trotz aller schweren Prüfungen und Leiden blieb die Familie Halse standhaft. Ihr unerschütterlicher Glaube an ihren Gott Jehova hat ihnen die Kraft gegeben, siegreich aus all den Prüfungen hervorzugehen. Woldemar Halse ist heute mit der örtlichen Gemeinde der Zeugen Jehovas in Waiblingen verbunden. Dennoch zieht ihn die Liebe zu seiner Heimatstadt immer wieder einmal nach Weißenberg, um hier gute Freunde und Bekannte zu besuchen. Quelle: Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas in Sachsen; |
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