Walter Großmann

Walter Großmann ist seit vielen Jahrzehnten ein Zeuge Jehovas. So kam es zwangsläufig auch zur Konfrontation mit dem Staatssicherheitsdienst der ehemaligen DDR. Im Februar 1954 schlug die Stasi zu und verhaftete ihn. Nach dreimonatiger U-Haft wurde er im Mai 1954 mit 10 anderen Zeugen Jehovas in Dresden verurteilt.

Die nächsten drei Jahre seines Lebens musste er nun im Zuchthaus Bautzen verbringen. Walter Großmann erinnert sich noch an folgende Erfahrung, die er in Bautzen machen konnte. Er erzählt:

"Nach einjähriger Haft ohne Arbeit wurde ich Anfang 1955 als Mitarbeiter in der Bekleidungskammer eingesetzt –  In der Haftanstalt Bautzen bestand damals Häftlings-Selbstverwaltung. In dieser Bekleidungskammer hatte ich die Aufgabe erhalten, alle Ein- und Ausgänge zu registrieren. Da es in der Haftanstalt strengstens verboten war, eigenes Schreibmaterial zu besitzen, war ich glücklich, durch meine Arbeit in der Bekleidungskammer Zugang zu Papier, Kohlepapier und Schreibzeug zu haben.

Über irgendwelche Kanäle kam zu jener Zeit regelmäßig ein Exemplar des WACHTTURM herein in das Zuchthaus. Bedingt durch meinen Zugang zu Schreibzeug hatte ich jetzt das Vorrecht, jede Ausgabe des WACHTTURM abzuschreiben und durch den Wäschetausch in den 6 Häusern der Anstalt kursieren zu lassen. Der Wäschetausch erfolgte jeweils von Haus 1 bis Haus 6 an den 6 Wochentagen. Da ich für alle Ein- und Ausgänge von schmutziger und sauberer Wäsche verantwortlich war, konnte ich das gut koordinieren. Unsere Glaubensbrüder in den einzelnen Häusern, die voneinander hermetisch getrennt waren, hatten dort dafür gesorgt, dass stets ein Bruder zum Wäschetausch kam, der den gelesenen WACHTTURM mitbrachte und einen anderen mitnahm.

Als man uns nach über einem Jahr auf die Schliche gekommen war, wurde alles gründlich durchsucht und die dafür verantwortlichen Männer, zu denen ich natürlich als Abschreiber auch gehörte, für drei Monate in Isolierungshaft in den Keller von Haus 1 verbracht.
Ansonsten war unsere Behandlung in Bautzen korrekt. Ich wurde zu keiner Zeit geschlagen oder sonst wie gedemütigt. Jehova Gott gab mir stets die Kraft zum Ausharren."

Walter Großmann ist heute mit der örtlichen Gemeinde der Zeugen Jehovas in Glashütte verbunden und dient dort als einer der Gemeindevorsteher.

Quelle:

Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas in Sachsen;
Pressemappe zur Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung"
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