Abschrift des letzten Briefes von Elisabeth Emter aus dem Freiburger Gefängnis an ihre Angehörigen

Freiburg, den 30.4. 1940

Meine herzlich Geliebten!

Schon ein Vierteljahr trennt uns voneinander. Am Sonntag wurde ich aufgefordert zu überlegen, was ich nun machen will, ich käme fort. Meine Lieben zwei Tage habe ich gerungen und gekämpft, denn es war ein schwerer Schritt. Dass ich Gott gegenüber nicht untreu sein kann und dass sein hl. Wort die Wahrheit ist, darüber gibt es kein Zweifel. Gütiger Vater im Himmel, Dein Wille soll geschehen, war mein Gebet und so kam ich zu dem Entschluss, lieber den schweren Weg zu gehen als von einem schlechten und ruhelosen Gewissen geplagt zu werden. Lb. Oma, lb. Frieda und ihr meine allerliebsten Kinder, ich nehme Abschied von Euch ohne Euch in die Augen zu schauen oder die Hand zu drücken. Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, ich habe doch als Mutter für meine Kinder gesorgt und meine Pflicht erfüllt, so gut ich konnte. Meine Lieben, es wäre nicht möglich diesen Weg zu gehen, ohne Gottes Kraft und Gnade. Ihr lb. Kinder vergesst nie, was ich Euch im letzten Brief geschrieben von Papa, vergesst ihn nie und auch das Beten nicht. Seid brav, fleißig u. folgsam und unser lb. Vater im Himmel wird euch behüten u. bewahren.

Lb. Lieselotte, lb. Berta u. lb. Hermann, ihr seid die größten, seid lieb u. gut zu Euren kleinen Geschwister und gut zur Oma u. Tante seid dankbar für alles was sie Euch tun. Besucht öfter Tante Anna, ihr braucht ja nicht Kinder hüten. Geht wieder heim zur Oma, sie braucht Euch.

Viele herzliche Grüße an sie u. alle Lieben ich bin glücklich u. zufrieden. Lb. Eberhard. lb. Franzle u. Du lb. kleines Ernstle, es ist ein großer Schmerz Euch zu verlassen, aber wir wissen ja was Gott verheißen hat wird wahr gemacht. Lebt wohl ihr lb. Kinder unser Schicksal steht in Gottes Hand. Seid nun tausendmal ganz herzlich gegrüßt u. geküsst von einer lb. guten Mutti. Lb. Oma wie geht es Euch auch seid Ihr nicht gesund. Ich mache mir schwere Sorgen um Euch. Lb. Oma habe Euch gestern u. heute erwartet, aber vergebens. Hätte so gerne noch mit Euch gesprochen. Nun muss ich fort, ohne zu wissen, wie es Euch geht u. meinen lb. Kindern. Morgen früh komme ich fort. Nun ist es zu spät. Wenn nur Frieda hätte kommen können, aber die Zeit war zu kurz. Es tut sehr weh, dass ich mit niemand mehr sprechen konnte. Habe das selber nicht geglaubt. Meine Lieben macht Euch keine Sorgen darüber, es ist nicht mehr zu ändern. Wir wollen auf Gott vertrauen, er möge Euch gesund erhalten über diese schwere Zeit hindurch. Lb. Oma es ängstigt mich immer der Gedanke, dass es Euch nicht wohl ist, weil Ihr nicht gekommen seid.

Lb. Oma, ich wünsche Euch alles Gute von Herzen, ich weiß ja, dass Ihr für die Kinder sorgt, so gut Ihr könnt. Nun wollen wir das Beste hoffen mit Gottes Hilfe; wir sehen ja, dass bald der Tag kommen wird, auf den wir uns freuen. Wohin ich komme, weiß ich nicht, hoffentlich darf ich Euch bald Nachricht geben von dort. Meine Gedanken sind viel bei Hermann. Wisst Ihr nichts von ihm? Seid nun vielmal herzlich gegrüßt von Einer dankbaren Liesel. Grüße an Toni, Familie Reinhold Koch nach Ratshausen u. Hausen an Sahners u. Tante Paula.

Lb. Frieda u. Kinder! Muss auch von Euch Abschied nehmen, es tut weh fort zu müssen, ohne von seinen Lieben noch etwas zu hören. Schreibt mir auch gleich, wenn ihr von mir Nachricht habt. Lb. Frieda nimm Dich um die Kinder an, so gut es Dir möglich ist stehe Oma zur Seite. Gott im Himmel wird euch alles vergelten. Es wird nicht mehr zu lange dauern, bis wir uns wiedersehen. Lb. Frieda es war ein schwerer Stand für mich die letzten Tage und immer der Gedanke, könnte ich es euch doch sagen, dass noch jemand kommen könnte. Es ist nichts mehr zu ändern. Lb. Frieda wir gingen viele Jahre durch Freud u. Leid um so größer ist der Schmerz. Herzliche Grüße an Franz. Wir werden auch wieder zusammen kommen. Muss schließen hab keine Zeit mehr.

Sei tausendmal herzlich gegrüßt u. Deine lb. Kinder von Deiner Schwägerin u. Tante Liesel

Quelle:

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Jehovas Zeugen im Elztal
anlässlich der "Standhaft"-Veranstaltung vom 19. bis 23. März in Waldkirch

Siehe auch:

Elisabeth Emter
Lebensbericht

Franz Emter
Lebensbericht von Elisabeth Emters Sohn

 

Elisabeth Emter mit ihren sechs Kindern
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