Werner Bormann

Werner Bormann (geb. 1921)  hörte im Mai 1949 erstmals von Jehovas Zeugen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau begann er mit dem gründlichen Studium der Bibel. Dies führte dazu, dass er sich Anfang 1950 als Zeuge Jehovas taufen ließ. Kurze Zeit später begannen für ihn die Repressalien. Im April 1950 verlor er wegen seines Glaubens den Arbeitsplatz bei der Sozialversicherungskasse Dresden. In dem ihm übergebenen Schreiben zu seiner fristlosen Entlassung heißt es auszugsweise:
 

Am 13.4.50 musste seine fristlose Entlassung aus den Diensten einer öffentlichen Körperschaft erfolgen, da Herr Bormann bewusst demonstrativ ablehnte, im Rahmen der Nationalen Front seinen Verpflichtungen als Angestellter der öffentlichen Verwaltung nachzukommen.


Am 25. März 1954 erfolgte seine Verhaftung durch die Stasi und die Einlieferung in deren Gefängnisse, zunächst in der Proschhübelstraße und später in der Bautzner Straße in Dresden. Nach mehreren Monaten Stasihaft erfolgte seine Verurteilung zu 8 Jahren Zuchthaus. So kam er nach Bautzen, zunächst in das Stasigefängnis Bautzen II und später in das „Gelbe Elend„. Werner Bormann erinnert sich an eine Episode bei seiner Einlieferung in Bautzen II:

Zunächst wurde ich dem Anstaltsleiter Henschke im Beisein seines "Politruk" Hauptwachtmeister Schulte vorgestellt. Ich bat für die Zeit meiner Vollzugshaft um eine Bibel, die mir durch die Oberrichterin Löwe vom Strafsenat 1a des Bezirksgerichtes Dresden bei meiner Verurteilung am 2. Juli 1954 zugesichert worden war. Anstaltsleiter Henschke erwiderte: "Sie fettes Schwein, Sie gehen sofort in den Löwenkäfig. Bibeln bekommen bei uns nur die gläubigen Christen."  Ich hatte meine Bitte damit begründet, dass ich in Gewissensnot bin ...,  ich wollte mich in der Bibel informieren, warum ich meines Glaubens wirklich zu Recht bestraft worden bin.

Im Juli 1955 wurde Werner Bormann nach Waldheim gebracht. Dort wurde er zum Polsterer umgeschult und konnte im Möbelwerk arbeiten. Im Juni 1956 wurde er in das Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf gebracht, wo er eineinhalb Jahre verblieb. Aufgrund seiner Kenntnisse in der medizinischen Fachsprache musste er dort als sogenannter "Arztschreiber" für fast alle medizinischen Fachgebiete für die stundenweise dort von der Universität Leipzig kommenden Zivilärzte arbeiten. Dadurch erhielt er dort Einsicht in die gesamte medizinische Fachliteratur. Außerdem wurde ihm durch Vermittlung dieser Ärzte gelegentlich sogar eine Bibel zugestellt. Von November 1957 an war er für weitere drei Jahre wieder im Zuchthaus Waldheim untergebracht.

Nach seiner Freilassung setzte Werner Bormann seinen Weg als Zeuge Jehovas unbeirrt fort. Er blieb trotz aller Verfolgung stets standhaft und loyal auf der Seite seines Gottes Jehova tätig. Heute ist Werner Bormann mit der örtlichen Gemeinde der Zeugen Jehovas in Freital-Süd verbunden und wirkt dort trotz seines hohen Alters und seiner angegriffenen Gesundheit als einer der Gemeindevorsteher.

Quelle:

Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas in Sachsen;
Pressemappe zur Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung"
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