Lebensbericht
- Georg Achatz
| 1891 |
Georg Achatz wurde 1891 geboren.
Nach dem Umzug nach Nürnberg. heiratet er Barbara (Babette) Lenz aus
Altenfurt. |
Georg Achatz |
| 1920-25 |
Sein Sohn, Karl Achatz, wurde 1920 geboren.
Kurz drauf lernten sie die Bibelforscher kennen. 5 Jahre später
ließ sich Georg Achatz taufen. Damals wohnte er mit seiner Familie
in Wördh, Gustavstraße 12. Sein
neuer Glaube blieb nicht unbemerkt: Er verweigerte den Hitlergruß,
seine Fenster waren bei besonderen Anlässen als einzige nicht mit
einer Hakenkreuzfahne geschmückt und sein Sohn war nicht in der Hitlerjugend. |
| 1936 |
Im Jahre 1936 wurde Georg Achatz verhaftet.
Das blieb für die Familie nicht ohne Folgen. Seine Frau bekam einen
Nervenzusammenbruch. Hinzu kamen finanzielle Probleme, da nun der Verdienst
ihres Mannes fehlte. Karl wurde darauf hin in der Schule ausgegrenzt, weil
sein Vater im Gefängnis war. Er besuchte damals die Höhere Handelsschule
für Knaben in Nürnberg (das heutige Wirtschaftsgymnasium Johannes
Scharrer).
Bald darauf erhielten sie von Karls Lehrer Herrn
Prof. Späth Hilfe. Er kümmerte sich um Karl, indem er ihn mit
nach Hause nahm und ihn zum Essen einlud. Babette Achatz durfte im Haushalt
des hilfsbereiten Lehrers Näharbeiten verrichten um sich etwas zu
verdienen. Das alles war für Herrn Prof. Späth nicht ungefährlich.
Eines Abends, als Babette Achatz nicht mehr weiter wusste, hat es an der Wohnungstüre geklingelt. Draußen
stand ein großer Sack mit Kartoffeln, Mehl, Zucker, Öl, Obst
und Gemüse. Im Briefkasten lag ein 10-Mark-Schein. Sie hat nie erfahren,
wer ihr in der größten Not geholfen hat zu überleben. Die
Lage wurde immer schlimmer. Jetzt wurde auch noch Karl kurz vor
der Abschlussprüfung von der Schule verwiesen. Nach seiner
Lehre bei Mannesmann, wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Er kam
als Soldat nach Russland. |
| 1943 |
Während der vielen Jahre war der Kontakt
zu seinem Vater abgebrochen. Erst als er einmal 1943 auf Heimaturlaub
war, hat er erfahren, dass sein Vater im Konzentrationslager Dachau,
Außenstelle Sudelfeld bei Bayer. Zell. war. Er hat es geschafft eine
Genehmigung zu erhalten, seinen Vater zu besuchen. Mit seiner damaligen
Verlobten, seiner späteren Frau, Margarete Jäckel, fuhr er nach
Sudelfeld. Sein Vater kam ihn kahlgeschoren, abgemagert und in Häftlingskleidung,
auf welcher der lila Winkel aufgenäht war, entgegen. Nach einer zehnmütigen
Unterhaltung musste Karl wieder an die Front nach Russland. Dort
wurde er schwer verwundet. Von seinen Vater hat er bis zum Kriegsende nichts
mehr gehört.
Georg Achatz hat 8 Jahre und 8 Monate Gefängnis
und Konzentrationslager überlebt. Viele Male wurde sein Glaube
in dieser Zeit geprüft Eine ¾-Stunde musste er an einem
Stamm hängend als Abschreckung für die anderen KZ-Insassen dienen.
Ein anderes Mal mussten sich die Häftlinge nackt ausziehen und
bei eiskalter Witterung im Hof versammeln. Hier wurden sie mit einem Wasserschlauch
abgespritzt. Es gab aber auch SS-Aufseher, die nicht so grausam waren.
Ein Aufseher schaute absichtlich weg, als Georg eine Bibel entdeckt hatte.
Oder es wurde gelegentlich ein Stück Brot liegengelassen.
Am schwierigsten wurde es für ihn aber in
Österreich. Er kam dort in das Konzentrationslager Mauthausen.
In seinen schwachen Zustand musste er dort im Steinbruch arbeiten,
schwere Lasten über eine hohe Treppe tragen. Auf dieser berüchtigten
"Todestreppe" sind viele zusammengebrochen. Die Nahrung der Häftlinge
bestand manchmal nur aus ein paar Wurzeln und gegen den Durst wurden Kieselsteine
gelutscht. |
"Todestreppe"
Foto: U.S. Holocaust Memorial Museum |
| 1945 |
Schwerkrank, nur mit seiner gestreiften Häftlingskleidung
am Körper, machte er sich nach der Befreiung im Mai 1945 auf,
seine Familie zu suchen. Aber der Stadtteil Wöhrd war ein Trümmerfeld.
Seine Wohnung gab es nicht mehr. Von seiner Schwägerin hat er erfahren, dass
seine Frau in der Gerasmühle bei Eibach untergekommen ist.
Die Freude war groß, als er sie gefunden hatte und dass der
Sohn nach am Leben war. |
| 1967 |
Am 2. September 1967 starb Georg Achatz.
Er hat damals noch in Nürnberg-Eibach gewohnt. Er ist trotz schwerster
Verfolgung seinem Glauben treu geblieben. Er wurde eingesperrt, weil er
ein friedliebender Mensch war. |
Quelle:
Regionaler Informationsdienst der Zeugen Jehovas - Nürnberg
Pressemappe zur Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung"
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