| Quelle: Westfälische Nachrichten, Freitag, den 14 .Januar 2000 | |
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Mut zum "Guten Morgen" Von Eberhard Obermayer Münster - Es gehörte Mut, zugleich tiefer christlicher Glaube dazu, auf ein "Heil Hitler!" im Dritten Reich mit "Guten Morgen" zu antworten. Viele der Zeugen Jehovas, die den sogenannten "deutschen" Gruß verweigerten oder auch den Kriegsdienst ablehnten, bezahlten diese standhafte Haltung mit dem Leben, mit Verfolgung, mit KZ-Haft. Der lila Winkel an der gestreiften Häftlingsjacke grenzte sie als "ernste Bibelforscher" selbst in der Masse der Häftlinge aus. Dieser lila Winkel steht über zwei Ausstellungen im Krameramtshaus und im Stadthaus I und einer Veranstaltungsreihe, mit der dieser "vergessenen Opfer" gedacht werden sollen. Ungewöhnlich genug - zu dieser historisch kritischen Aufarbeitung der Vergangenheit haben sich eine ganze Reihe von Institutionen zusammengefunden. Neben den Zeugen Jehovas selbst Volkshochschule, Stadtarchiv, das Institut für Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes, das Historische Seminar der Universität und die nationalsozialistische Forschungsstätte Villa ten Hompel. Die Zeugen Jehovas, die sich damals noch "ernste
Bibelforscher" nannten, waren im Deutschland der 30er Jahre eine
verschwindende Minderheit von vielleicht 25 000 bis 30 000 Mitgliedern. Rund
10 000 von ihnen wurden Opfer nationalsozialistischer Zwangsmaßnahmen: Sie
weigerten sich strikt, dem totalitären Anspruch des NS-Staates nachzugeben.
Eine Unterschrift unter einer Erklärung, mit der sie den Zielen der
Bibelforscher abschworen, hätte sie aus der KZ-Haft befreit. Stattdessen
wurde Werner Kusserow als
"geistig und sittlich verwahrlost" seiner Familie entrissen und bei
Nettelstett in ein Erziehungsheim eingeliefert. Er hatte in der Schule den
Hitler-Gruß abgelehnt. |
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