Allein diese wenigen Tatbestände und skizzierten Lebensberichte
werfen Licht auf ein Regime, in dem Andersdenkende nichts galten, wertlos
waren. Um so erstaunlicher, dass es in dieser Zeit verblichener Menschlichkeit
Männer und Frauen wie Zeugen Jehovas gab, die in Treue und Standhaftigkeit
gemäß ihrer biblischen Überzeugung diesem System trotzten,
wenn sie es auch mit Drangsal und tausendfachem Tod bezahlten. Beeindruckt
von dem Mut und der Treue dieser Männer und Frauen führte Martin
Niemöller, führendes Mitglied der Bekennenden Kirche, einst selbst
KZ-Häftling, späterer Kirchenpräsident, aus: "Wir Christen
von heute stehen beschämt da vor einer sogenannten Sekte wie der ernsten
Bibelforscher (Jehovas Zeugen), die zu Hunderten und Tausenden ins Konzentrationslager
und in den Tod gegangen sind, weil sie den Kriegsdienst ablehnten und sich
weigerten auf Menschen zu schießen".
Die Frage erscheint angebracht, woher nahmen diese Männer und
Frauen die Kraft zur Überwindung derartiger Unmenschlichkeiten? Ein
Lied, komponiert von einem Zeugen Jehovas im KZ, enthält folgenden
Text: "Von Gottes Wort fließt die Kraft der Starken, die auch aus
Schwachen Kämpfer macht". Ist das die Antwort?
Nach der Zerstörung des NS-Regimes traten diese mutigen Glaubensmenschen
nicht als Ankläger auf. Um so mehr muss es verwundern, dass jene verfolgten und mit dem ´lila Winkel´ stigmatisierten Zeugen
Jehovas in der neuzeitlichen Geschichtsschreibung ´vergessene Opfer´
blieben. Erst in den letzten Jahren zeichnet sich eine Wende ab.
Die vertieften Forschungsarbeiten der Historiker tragen dazu bei, dass eine Zeitgeschichte mit Zukunftsbedeutung bewahrt bleibt, wenn auch die
Augenzeugen der Geschehen, Opfer und Betroffene, es selbst nicht mehr in
Erinnerung wach halten können. Diesem Ziel dient die Dokumentation
zum Zeitgeschehen von Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime. Der Dokumentarfilm
steht Interessenten, Schulen, Museen u.a. kostenfrei zur Verfügung,
und zwar heute in Deutsch und Englisch, künftig auch in weiteren 22
Sprachen.
siehe auch: