Charakterisierend beschreibt auf der Grundlage von Protokollen Dr.
Michael Berenbaum, Leiter des Forschungsinstituts des U.S. Holocaust Memorial
Museums, Washington, folgende Situation: "Man muss sich einmal vorstellen, wie viel
Mut es kostete, anders zu sein. Man kommt in einen Raum und hört
die Worte ´Heil Hitler`, und da sagt jemand ´Guten Morgen!´.
Oder man betritt einen Raum, die Sitzung ist beendet, man sagt:
´Heil Hitler!´, und jemand erwidert: ´Auf Wiedersehen!´
Dieses Verhalten zeugt von einzigartiger Zivilcourage und von unvorstellbarer
menschlicher Ehrbarkeit".
Den eindrucksvollsten und zu Herzen gehenden Bericht geben die direkt
betroffenen Zeitzeugen selbst: da beschreiben z.B. Heinrich Dickmann und
Josef Rehwald die öffentliche Hinrichtung des Kriegsverweigerers August
Dickmann auf dem Appellplatz im KZ Sachsenhausen. - Die Erinnerung der
damals zwölfjährigen Simone Liebster an die Zwangseinweisung
in das NS-Kinderheim Konstanz und das sklavische Leben werden zu lebendiger
'Gegenwart'.
Die Zeitzeugen Simone Liebster aus Frankreich und Joseph Schoen aus
Österreich berichten, wie im Untergrund biblische Literatur vervielfältigt
und verbreitet wurde. Später half der finnische Arzt Felix Kersten,
der einstige Leibarzt Heinrich Himmlers, Wachtturm-Schriften von Schweden
in die KZ Ravensbrück und Sachsenhausen zu schmuggeln.
Ganze Familien waren hinter Gittern. Josef Rehwald berichtet: "Von meiner
Familie waren von acht Personen sechs eingesperrt, vier Brüder, eine
Schwester und meine Mutter. Wir hatten zusammen ungefähr 43 Jahre
Haft hinter uns".
Die Familie Kusserow aus Bad Lippspringe, damals bestehend aus Eltern
und zehn Kindern, wurde zu insgesamt 48 Jahren KZ- und Gefängnishaft
verurteilt. Zwei Söhne fanden den gewaltsamen Tod durch Erschießen
sowie Enthaupten.
Horst Schmidt berichtet: "Ich entging dem Fallbeil, nicht so meine Stiefmutter
Emmy Zehden." Sie kam in die Strafanstalt Berlin-Plötzensee, weil
sie Horst und zwei weitere Kriegsdienstverweigerer versteckt gehalten hatte.
Am 9. Juni 1944 wurde sie enthauptet. Heute erinnert ein Straßenname
vor dem Gefängnis an Emmy Zehden.
Madame Geneviéve de Gaulle, die Nichte des bekannten französischen
Staatsmannes Charles de Gaulle, war selbst Häftling im KZ Ravensbrück
und sagt über Jehovas Zeugen: "Ich hatte große Achtung vor ihnen,
denn sie hätten ja von heute auf morgen freikommen können, wenn
sie durch eine Unterschrift ihrem Glauben abgeschworen hätten. Im
Grunde waren diese Frauen, die so schwach und ausgemergelt aussahen, stärker
als die SS".