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Die ersten Zeugen Jehovas im Elztal
Das Badische Statistische Jahrbuch von 1925 zeigte unter dem Stichwort
"Religionen" eine Landkarte, auf der auch die Gemeinde Gutach im
Breisgau als Sitz einer kleinen Gruppe von Bibelforschern eingezeichnet war.
Der Gutacher Schreinermeister Leo Joos ließ sich in den frühen
zwanziger Jahren als Zeuge Jehovas taufen. Er war im Elztal durchaus bekannt
und man bezeichnete ihn gerne als den "Bischof" der Bibelforscher.
Um ihn scharte sich in Gutach nun ein kleines Grüppchen, das sich
regelmäßig traf, um gemeinsam die Bibel zu lesen.
So erinnert man sich heute an August und Mina Fahrländer, an Eva
Korneli und ihre Kinder, das Ehepaar Rettig, Lene Wiesner
und Emmi Arendt – inwieweit diese Aufzählung vollzählig ist, kann
nicht gesagt werden, da man sich damals nur lose organisiert getroffen hat und
schriftliche Aufzeichnungen nicht vorhanden sind.
Ein Briefwechsel zwischen Elztäler Geistlichen und ihrem Bischof, der im
Erzbischöflichen Archiv in Freiburg zu finden ist, belegt allerdings, dass
die damalige kleine Gruppe im Elztal durchaus aktiv war.
Durch das Verbot der Wachtturm-Gesellschaft in Deutschland wurde diese
Elztäler Gemeinde bald isoliert. Von direkter Verfolgung der Zeugen Jehovas
im Elztal ist zwar nichts bekannt, Repressalien blieben aber trotzdem nicht
aus: Der bei "Gütermann" beschäftigte Leo Joos wurde
beispielsweise nicht mehr als Schreinermeister angesehen und bezahlt – bis
zu seiner Pensionierung war er nur noch Schreinergeselle. So kann man sich gut
vorstellen, daß auch für die sich in Freiheit befindlichen Zeugen das Leben
in dieser Zeit geprägt war von Furcht und Spannung. Wie leicht hätte eine
Denunzierung die sowohl im Elztal als auch an ihrem Arbeitsplatz (die meisten
arbeiteten bei "Gütermann") gut bekannten Zeugen Jehovas ins
Gefängnis bringen können! Das so etwas nicht passiert ist, spricht
sicherlich auch für die Elztäler Bevölkerung.
Bald nach Kriegsende wuchs die Gemeinde der Elztäler Zeugen Jehovas
sprunghaft an. Nun kamen auch einige Mitgläubige ins Elztal, die wirklich
schwerste Verfolgung hinter sich hatten. Zusammen mit der größer werdenden
Schar von einheimischen Zeugen bildeten sie den Grundstock für die heutige
Gemeinde in Waldkirch-Kollnau.
Wie sehr sich in dieser jungen christlichen Gemeinde Menschen aus allen
Lebensverhältnissen trafen und zusammenlebten wird aus einem kleinen Beispiel
lebendig:
Da arbeiteten in einem Waldkircher Steuerberatungsbüro ein ehemaliger
nationalsozialistischer Beamter gemeinsam mit einem ehemaligen Mitglied der
Waffen-SS und einem ehemaligen KZ-Häftling auf engstem Raum. Ihre
neugewonnene christliche Ethik hatte ihnen geholfen, nicht nur friedlich
zusammen zu arbeiten sondern auch echte Freundschaft untereinander zu pflegen.
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