Quelle: Stuttgarter Zeitung, 20. November 2000

Standhaft trotz Verfolgung
Ausstellung zum Schicksal der Zeugen Jehovas in der NS-Zeit

LUDWIGSBURG. Die Zeugen Jehovas gehören zu den Verfolgten des NS-Regimes. Eine Ausstellung im Staatsarchiv Ludwigsburg erinnert derzeit an das Schicksal der bibeltreuen Religionsgemeinschaft im Dritten Reich.

Die Zeugen Jehovas haben von den Nationalsozialisten ein eigenes Stigma verpasst bekommen: den lila Winkel. Wer ihn trug musste um sein Leben fürchten. 2000 Zeugen Jehovas wurden während des Dritten Reichs in Konzentrationslager verschleppt. Viele überlebten die Internierung nicht. "Die Zeugen Jehovas wurden genauso rigoros verfolgt wie die Juden", erklärte der Historiker Hubert Roser zur Eröffnung der Ausstellung im Ludwigsburger Staatsarchiv.

"Standhaft trotz Verfolgung" heißt die Ausstellung. Der Titel weist darauf hin, dass sich die Zeugen Jehovas auf ihre Weise gegen die nationalsozialistischen Machthaber zur Wehr gesetzt haben. Nachdem die Religionsgemeinschaft verboten worden war, trafen sich in konspirativen Bibel-Lesegemeinschaften und besorgten sich aus dem Ausland illegal den "Wachrturm". Wer dabei von der Gestapo erwischt wurde, landete im Gefängnis oder im KZ.

Am stärksten litten wehrpflichtige Zeugen Jehovas unter den Nazis. Das Beispiel des Biesigheimers Ernst Wilhelm Zehender verdeutlicht dies. Der Zeuge Jehovas wurde am 5. Februar 

1938 einberufen und nur zwei Tage später verhaftet, weil er den Dienst an der Waffe verweigerte. Zehender wurde bis März 1941 ins Gefängnis gesperrt, das Sorge-
recht für seine zwei Kinder wurde ihm entzogen. Am 4. Juni 1941 erhielt Zehender erneut
einen Stellungsbefehl. Weil der religiös überzeugte Pazifist auch diesen nicht befolgte,
wurde er im Januar 1942 gehängt.   

Die Ludwigsburger Ausstellung soll an solche Schicksale erinnern. "Man kann zu
den Zeugen Jehovas stehen, wie man will", sagte der Historiker Roser bei der Eröffnung,
"die Opfer des Nationalsozialismus  haben in jedem Fall unseren Respekt verdient."

Die Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung" ist bis zum 17. Dezember im Staatsarchiv
Ludwigsburg, Arsenalplatz 3, zu sehen. 
Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 - 19 Uhr, Samstag und Sonntag 10 - 17 Uhr. Während der Ausstellung finden mehrere Vorträge und Diskussionen statt. Weitere Informationen unter Telefon 01 71/ 4 74 25 08.

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