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Der Widerstand der Zeugen als
pädagogisches Vorbild?
Begleitprogramm zur Sonderausstellung "Geistiger
Widerstand aus christlicher Überzeugung"
Kann der Widerstand der Zeugen Jehovas gegen das NS-Regime als Vorbild und
Leitbild für Widerstand gegen totalitäre Regime herangezogen werden? Oder
können die Motive, die der Verweigerung und der Regimegegnerschaft der Zeugen
Jehovas zu Grunde lagen, nur aus ihrem Glaubensgebäude hergeleitet und
verstanden werden?
Diesen Fragen widmet sich am 30. Mai eine Podiumsdiskussion in der
Gedenkstätte Bullenhuser Damm. Als Teilnehmer diskutieren Dr. Detlef Garbe,
Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Wolfram Slupina, leitender Mitarbeiter
in der Öffentlichkeitsarbeit der Zeugen Jehovas in Deutschland und Dr. Horst
Gloy, ehemaliger Leiter des Pädagogisch-Theologischen Instituts der
Nordelbischen Kirche. Die Veranstaltung moderiert Dr. Matthias Heyl von der
Hamburger Forschungsstelle Erziehung nach/über Auschwitz.
Nach Auffassung von Detlef Garbe kann die couragierte Haltung der Zeugen
Jehovas während der NS-Zeit zwar Respekt und Würdigung für sich
beanspruchen, als Leitbild in einer demokratisch verfassten Gesellschaft
eignet sie sich jedoch nur bedingt. Seiner Auffassung nach stritten die Zeugen
Jehovas im Konflikt mit dem Nazi-Regime für ihre eigene Glaubensfreiheit,
aber eben nicht für die Freiheit aller. Ihr Handlungsmotiv sei
Glaubensgehorsam gewesen und nicht die Wiedererlangung der Demokratie.
Deshalb könne der Widerstand der Zeugen Jehovas der demokratischen
Gesellschaft nicht als pädagogisches Vorbild dienen.
Eine andere Position vertritt Wolfram Slupina. Für ihn kann der Widerstand
der Zeugen Jehovas durchaus als Vorbild auch für Nicht-Glaubensangehörige
gelten. Deshalb empfiehlt er als Vertreter der Zeugen Jehovas die Einbeziehung
ihres Beispiels in den Schulunterricht über den Holocaust und die Zeit des
Nationalsozialismus, was von den Schulverwaltungen zumeist entschieden
abgelehnt wird. Die Diskussionsveranstaltung soll der Klärung der Positionen
dienen.
Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen der Sonderausstellung
"Geistiger Widerstand aus christlicher Überzeugung - Jehovas Zeugen in
Norddeutschland 1933-45³ statt, die bis 17. Juni in der KZ-Gedenkstätte
Neuengamme zu sehen ist.
Die Sonderausstellung wird von einer Reihe weiterer Veranstaltungen zum
Thema begleitet. Das detaillierte Veranstaltungsprogramm findet sich im
Internet: http://www.hamburg.de/Neuengamme/veranstaltungen.html
(und auch hier auf standhaft.org)
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