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"Die freie
Meinungsbildung ist unerwünscht"
Filmemacher Poppenberg: Keine Bilder aus der Schlüssellochperspektive
schaffen
Am
Samstagabend stellte der Berliner Filmemacher Fritz Poppenberg im Staatsarchiv
Ludwigsburg sein Werk "Fürchtet euch nicht" vor. In der 92-minütigen
Videodokumentation geht es um Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas
unter dem Nazi-Regime.
Der aus Niedersachsen stammende
Chef der Drei Linden Filmproduktion berichtete im Vorfeld
der Präsentation von den zahlreichen
Hindernissen, die seinem Filmprojekt in den Weg gelegt wurden.
Als er die Geldmittel für die
Dokumentation beschaffen wollte, stieß er auf "vornehme Zurückhaltung,
bisweilen sogar auf heftige Ablehnung"
Danach befragt, weist Poppenberg
auf die seines Erachtens unterentwickelte Entschlusskraft gerade deutscher
Entscheidungsträger hin. Jehovas
Zeugen in einem positiven Zusammenhang zu thematisieren werde vielerorts als
gefährlich für die eigene Karriere angesehen. Tatsachen oder persönliche
positive Erfahrungen mit Vertretern dieser Religionsgemeinschaft scheinen
nach Ansicht des Regisseurs dabei
kaum eine Rolle zu spielen. Die Programmverantwortlichen pflegten die
Erwartungshaltung, eine Dokumentation über die Zeugen müsse zwangsläufig in
ein abwertendes Urteil münden.
Wer die Tür zum Dialog aufstoßen
und den eingeengten Blick durch das Schlüsselloch von Vorurteilen erweitern
wolle, werde automatisch als Komplize abgestempelt. Bis in die jüngste Zeit
sei der Berliner tatsächlich schärfsten Anfeindungen ausgesetzt gewesen.
"Meinungen werden
gemacht", konstatiert Poppenberg. Den Opportunismus als deutsche Untugend
glaubt er auch gerade in den Mechanismen zu erkennen, die seine
Filmdokumentation letztlich doch zu einem Erfolg führten.
Nachdem sich das U.S. Holocaust
Memorial Museum schriftlich für eine Unterstützung des Projektes
ausgesprochen hatte, öffneten sich für den Filmemacher plötzlich auch in
Deutschland Türen und Kassen. Unter anderem mit der Förderung Junger
Deutscher Film konnten er und seine Partnerin Stefanie Krug die Dokumentation
nach fast sieben Jahren zähen
Ringens doch
noch realisieren.
Das deutsche Fernsehen scheue sich
nach wie vor, die Dokumentation auszustrahlen, doch die Arbeit von
Poppenberg und seinem Team findet
trotzdem eine breite Beachtung. Als in Hamburg acht Kinovorstellungen angekündigt
wurden, waren sämtliche Karten in Kürze
ausverkauft, hieß es bei der
Ludwigsburger Filmvorführung.
Die Filme von Fritz Poppenberg
sind im Rahmen der Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung - Jehovas
Zeugen unter dem Nazi-Regime" im Staatsarchiv Ludwigsburg am
Arsenalplatz 3 noch bis zum 17. Dezember
zu sehen.
Die Veranstaltungsreihe wird am 2.
Dezember um 17 Uhr unter dem Thema "Frauen im Widerstand gegen das
NS-Regime" fortgesetzt. Neben
einer Videodokumentation werden hier auch der Landesvorsitzende der Sinti und
Roma von Baden-Württemberg,
Daniel Strauß, sowie
Zeitzeugen zu Wort kommen.
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