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Der feste Glaube ging den
Zeugen Jehovas über alles
Ausstellung über ihre Leiden im Drittem Reich
Heiden wollten die Zeugen Jehovas im
Drittem Reich nicht sein, sie verstanden auch nicht als Widerstandskämpfer.
Wenige Wochen nach Hitlers Machtergreifung haben sie diese Einstellung dem
"Führer" sogar schriftlich gegeben. Aber ihr Glaube ging ihnen
über alles.
So hat keiner von ihnen je die Hand zum Hitler-Gruß erhoben,
keiner in der Wehrmacht gedient. Das musste von vielen teuer bezahlt werden.
Jeder Zweite der 20 000 Zeugen Jehovas, die 1933 in Deutschland lebten, hat
Bekanntschaft mit Gefängnis und KZ gemacht, über 1200 sind dort umgebracht
worden.
Von all dem berichtet eine Ausstellung, die das hiesige
Staatsarchiv zusammen mit der Ludwigsburger Gemeinde herausgebracht hat. Zur
Eröffnung konnte Gemeindevorsteher Wolfgang Reiter ein zahlreiches Publikum
begrüßen, darunter den evangelischen Dekan Hans Frieder Rabus sowie
Professor Paul Sauer und Dr. Albert Sting.
Bild vieler Schicksale
Für das Staatsarchiv berichtete sein Leiter, Dr. Gerhard
Tadday, vom Zustandekommen dieser Ausstellung.. Man hat eine von der
internationalen Wachtturmgesellschaft erstellte Wanderausstellung durch
Dokumente aus den regionalen Beständen des Archivs ergänzt. So ist ein
lebendiges Bild von den Schicksalen der Zeugen Jehovas zwischen 1933 und 1945
entstanden.
Dr. Hubert Roser gab einen Überblick über die Geschichte der
Demütigung und Verfolgung der Zeugen Jehovas im Drittem Reich. Ihre
internationale Organisation und ihre Ablehnung jeglichen Führerkults waren
den Nazis von Anfang an ein Dorn im Auge. Schon in der berüchtigten
"Reichstagsbrandverordnung" wurden Verbote ausgesprochen. Die
Mund-zu-Mund-Propaganda wurden ebenso verboten wie der Vertrieb von Schriften.
Video von der Verfolgungszeit
Der Bekennermut der kleinen Gruppe trieb viele Parteibonzen
zur Weißglut. Aber die Gemeinden, immer wieder von der Gestapo zerschlagen,
ließen sich nicht einschüchtern. Viele nahmen lieber Gefängnis, ja den Tod
auf sich, als den Glauben zu verraten. Dabei verhieß der Staats sofortige
Freiheit jedem einzelnen, der seinem Glauben abschwor. Ein eindrucksvolles
Video zeichnet diese Verfolgungszeit akribisch nach.
Die Höhepunkte freilich waren am Eröffnungsabend die
Berichte der beiden Zeitzeuginnen. Die 88-jährige Charlotte Müller aus
Heilbronn und ihre 86-jährige Glaubensgenossin Gertrud Wulle aus Asperg
schilderten in schlichten Worten von ihren Erlebnissen. Beeindruckend ihre
Feststellung, ihr Glaube habe ihnen gesagt: "Das geht alles vorbei."
So sollen aus Gedenktagen Denktage werden", resümierte am Ende Wolfgang
Reiter.
Info: Die Ausstellung ist am
Arsenalplatz 3 bis 17. Dezember geöffnet, Montag bis Freitag von 9-19 Uhr und
Samstag und Sonntag von 10-17 Uhr. Begleitveranstaltungen: Mittwoch, 22.
November, um 18.30 Uhr stellt Dr. Hubert Roser sein Buch "Widerstand als
Bekenntnis - die Verfolgung der Zeugen Jehovas in Baden-Württemberg"
vor.
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