Quelle: Ludwigsburger Kreiszeitung, 20. November 2000

Der feste Glaube ging den Zeugen Jehovas über alles
Ausstellung über ihre Leiden im Drittem Reich

Heiden wollten die Zeugen Jehovas im Drittem Reich nicht sein, sie verstanden auch nicht als Widerstandskämpfer. Wenige Wochen nach Hitlers Machtergreifung haben sie diese Einstellung dem "Führer" sogar schriftlich gegeben. Aber ihr Glaube ging ihnen über alles.

So hat keiner von ihnen je die Hand zum Hitler-Gruß erhoben, keiner in der Wehrmacht gedient. Das musste von vielen teuer bezahlt werden. Jeder Zweite der 20 000 Zeugen Jehovas, die 1933 in Deutschland lebten, hat Bekanntschaft mit Gefängnis und KZ gemacht, über 1200 sind dort umgebracht worden.

Von all dem berichtet eine Ausstellung, die das hiesige Staatsarchiv zusammen mit der Ludwigsburger Gemeinde herausgebracht hat. Zur Eröffnung konnte Gemeindevorsteher Wolfgang Reiter ein zahlreiches Publikum begrüßen, darunter den evangelischen Dekan Hans Frieder Rabus sowie Professor Paul Sauer und Dr. Albert Sting.

Bild vieler Schicksale

Für das Staatsarchiv berichtete sein Leiter, Dr. Gerhard Tadday, vom Zustandekommen dieser Ausstellung.. Man hat eine von der internationalen Wachtturmgesellschaft erstellte Wanderausstellung durch Dokumente aus den regionalen Beständen des Archivs ergänzt. So ist ein lebendiges Bild von den Schicksalen der Zeugen Jehovas zwischen 1933 und 1945 entstanden.

Dr. Hubert Roser gab einen Überblick über die Geschichte der Demütigung und Verfolgung der Zeugen Jehovas im Drittem Reich. Ihre internationale Organisation und ihre Ablehnung jeglichen Führerkults waren den Nazis von Anfang an ein Dorn im Auge. Schon in der berüchtigten "Reichstagsbrandverordnung" wurden Verbote ausgesprochen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda wurden ebenso verboten wie der Vertrieb von Schriften.

Video von der Verfolgungszeit

Der Bekennermut der kleinen Gruppe trieb viele Parteibonzen zur Weißglut. Aber die Gemeinden, immer wieder von der Gestapo zerschlagen, ließen sich nicht einschüchtern. Viele nahmen lieber Gefängnis, ja den Tod auf sich, als den Glauben zu verraten. Dabei verhieß der Staats sofortige Freiheit jedem einzelnen, der seinem Glauben abschwor. Ein eindrucksvolles Video zeichnet diese Verfolgungszeit akribisch nach.

Die Höhepunkte freilich waren am Eröffnungsabend die Berichte der beiden Zeitzeuginnen. Die 88-jährige Charlotte Müller aus Heilbronn und ihre 86-jährige Glaubensgenossin Gertrud Wulle aus Asperg schilderten in schlichten Worten von ihren Erlebnissen. Beeindruckend ihre Feststellung, ihr Glaube habe ihnen gesagt: "Das geht alles vorbei." So sollen aus Gedenktagen Denktage werden", resümierte am Ende Wolfgang Reiter.

Info: Die Ausstellung ist am Arsenalplatz 3 bis 17. Dezember geöffnet, Montag bis Freitag von 9-19 Uhr und Samstag und Sonntag von 10-17 Uhr. Begleitveranstaltungen: Mittwoch, 22. November, um 18.30 Uhr stellt Dr. Hubert Roser sein Buch "Widerstand als Bekenntnis - die Verfolgung der Zeugen Jehovas in Baden-Württemberg" vor.

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