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"Minderheiten dürfen
nie
wieder geächtet werden"
Viele Besucher bei Ausstellung über Zeugen
Jehovas
Ein überraschendes Echo hat die letzte
Ausstellung des Staatsarchivs Ludwigsburg in diesem Jahr gefunden. An die 4000
Besucher besichtigten die Dokumentation über die Verfolgung der "Zeugen
Jehovas" im Dritten Reich. Insgesamt sieben
Begleitveranstaltungen gaben die Möglichkeit die Eindrücke zu vertiefen. Am
Schluss zog man bei einer Podiumsdiskussion Bilanz. Das Thema "Die
Hexenjagd geht weiter" wolle bewusst provozieren, sagte bei der
Begrüßung der zahlreichen Gäste der Vorsteher der Ludwigsburger Gemeinde,
Wolfgang Reiter. Statements zu dieser These lieferten unter der Moderation von
Stefan Zibulla Dr. Martin Häussermann vom Staatsarchiv, der
Religionssoziologe Professor Dr. Johannes Neumann, der Soziologe Robert
Schmidt und als Zeitzeugen Charlotte Müller und Werner Speidel. Häussermann
konnte von positiven Reaktionen der Besucher berichten. "Das Schicksal
der Zeugen Jehovas ist nach 1945 verdrängt worden", sagte Neumann, der
auch an die Jahrhunderte alte bittere Geschichte der Verfolgung von
Minderheiten gerade in Deutschland erinnerte. Er warnet auch vor der in den
letzten Jahren aufgekommenen "Sektenhysterie". An die
wechselnden Argumentationsketten der Diskussion erinnerte Robert Schmidt.
Während die Zeugen Jehovas etwa im Dritten Reich als Sympathisanten des
Kommunismus verdächtigt wurden, galten sie in der DDR als amerikanische
Spione. Die beiden Zeitzeugen zeigten beeindruckende Gelassenheit. Trotz
bitterster Erfahrungen wollen sie ihren Glauben leben und dabei mit ihren
Mitbürgern gute Nachbarschaft halten. In der heutigen Demokratie fühlen sie
sich nicht ausgegrenzt. Im übrigen wurde eingeräumt, sie Toleranz nie eine
Einbahnstraße. Schließlich habe schon Jesus gesagt: "Was ihr wollt,
dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch." Freilich,
so das Fazit der Runde, bestehen noch immer Vorurteile. Sie abzubauen sei nur
im Gespräch möglich. Die Ausstellung im Staatsarchiv, so Wolfgang Reiter in
seinen Dankesworten, habe dafür wichtige Impulse gegeben. Allgemeines Fazit:
"Minderheiten dürfen nie wieder geächtet werden."
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