Quelle: Konradsblatt - Sonntag, der 16. April 2000

ERZDIÖZESE AKTUELL
"Standhaft trotz Verfolgung"
Eine Ausstellung der Zeugen Jehovas im Karlsruher Ständehaus

Die Verfolgung von Menschen aus politischen oder religiösen Gründen während des Nationalsozialismus gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Unter den Verfolgten waren auch die Zeugen Jehovas, die sich damals noch "Ernste Bibelforscher nannten. Eine Wanderausstellung, die zurzeit in Karlsruhe zu sehen ist, informiert über das Schicksal dieser fast vergessenen Ortsgruppe.

Von den 25.000 Zeugen, die es während des "Dritten Reichs" in Deutschland gab, mussten 10 000 unter Repressalien leiden, sie verloren beispielsweise ihren Arbeitsplatz. 6000 kamen ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager, und 1000 bis 2000 - die Zahlenangaben schwanken - starben für ihre religiöse Überzeugung. Sie verweigerten den Hitler-Gruß und - vor allem - den Wehrdienst. Ihr Widerstand war religiös und nicht politisch motiviert. Bereits 1933 wurden sie verboten. Etwa die Hälfte der Mitglieder setzte im Untergrund den "Verkündigungsdienst" von Haus zu Haus fort. Kaum eine Gruppe hat sich auf so breiter Front dem nationalsozialistischen Anpassungsdruck widersetzt.
"Erinnern heißt, die Vergangenheit nicht zur Ruhe kommen lassen", kommentiert der Kulturreferent der Stadt Karlsruhe, die Ausstellung. Und Werner Rudtke von der Wachtturm-Gesellschaft in Selters verbindet mit ihr den Wunsch, dass sich die Geschichte nicht wiederholen möge. 192 000 Zeugen Jehovas gibt es heute in der Bundesrepublik. "Wissenschaftler dürfen gesellschaftliche Randgruppen nicht ausblenden", begründet Michael Kißener von der Forschungsstelle Widerstand an der Universität Karlsruhe seine Mitarbeit. Einen entscheidenden Impuls für die Aufarbeitung der Geschichte der Zeugen Jehovas gab übrigens vor über 20 Jahren Manfred Koch vom Stadtarchiv Karlsruhe.
Zu den bedrückendsten Exponaten gehört der so genannte Buchenwald-Zyklus. 27 kleine Aquarelle halten die schrecklichen Erlebnisse von Johannes Steyer im Konzentrationslager Buchenwald fest. Fast eine halbe Million Menschen hat die Ausstellung an über 270 Orten bisher besucht.
Günther Pape, ehemaliger Zeuge und Buchautor, wendet ein, dass es keinen geschlossenen Widerstand der "Ernsten Bibelforscher" gegeben habe: "Vom Verhalten Einzelner kann man nicht auf alle schließen." Ob im Hintergrund der Ausstellung, wie Pape meint, die gegenwärtigen Bemühungen der Zeugen stehen, als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt zu werden? Das Verfahren ist beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe anhängig.
Die Ausstellung wird noch bis zum 20. April gezeigt; sonntags bis freitags ist sie von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung gibt es Begleitveranstaltungen mit Zeitzeugen und Historikern. ALBERT KÄUFLEIN

Siehe auch:

Standhaft trotz Verfolgung - Karlsruhe
Rückblick der Veranstaltung

zurück zu der StartseiteWo findet die nächste Veranstaltung statt?Allgemeine InformationenBücher, Videos, Links zu dieser ThematikBiographien, Beiträge von Historikern, ...Informationen über die Autoren dieser Webseitezurück zu der StartseiteZurück zu Übersicht

START | FORSCHUNGMEDIEN | EVENTS | INFOS
-  © 2000 by STANDHAFT.ORG -