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ERZDIÖZESE AKTUELL
"Standhaft trotz Verfolgung"
Eine Ausstellung der Zeugen Jehovas im Karlsruher Ständehaus
Die Verfolgung von Menschen aus politischen oder religiösen Gründen
während des Nationalsozialismus gehört zu den dunkelsten Kapiteln der
deutschen Geschichte. Unter den Verfolgten waren auch die Zeugen Jehovas, die
sich damals noch "Ernste Bibelforscher nannten. Eine Wanderausstellung,
die zurzeit in Karlsruhe zu sehen ist, informiert über das Schicksal dieser
fast vergessenen Ortsgruppe.
Von den
25.000 Zeugen, die es während des "Dritten Reichs" in Deutschland
gab, mussten 10 000 unter Repressalien leiden, sie verloren beispielsweise
ihren Arbeitsplatz. 6000 kamen ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager,
und 1000 bis 2000 - die Zahlenangaben schwanken - starben für ihre religiöse
Überzeugung. Sie verweigerten den Hitler-Gruß und - vor allem - den
Wehrdienst. Ihr Widerstand war religiös und nicht politisch motiviert.
Bereits 1933 wurden sie verboten. Etwa die Hälfte der Mitglieder setzte im
Untergrund den "Verkündigungsdienst" von Haus zu Haus fort. Kaum
eine Gruppe hat sich auf so breiter Front dem nationalsozialistischen
Anpassungsdruck widersetzt.
"Erinnern
heißt, die Vergangenheit nicht zur Ruhe kommen lassen", kommentiert der
Kulturreferent der Stadt Karlsruhe, die Ausstellung. Und Werner Rudtke von der
Wachtturm-Gesellschaft in Selters verbindet mit ihr den Wunsch, dass sich die
Geschichte nicht wiederholen möge. 192 000 Zeugen Jehovas gibt es heute in
der Bundesrepublik. "Wissenschaftler dürfen gesellschaftliche
Randgruppen nicht ausblenden", begründet Michael Kißener von der
Forschungsstelle Widerstand an der Universität Karlsruhe seine Mitarbeit.
Einen entscheidenden Impuls für die Aufarbeitung der Geschichte der Zeugen
Jehovas gab übrigens vor über 20 Jahren Manfred Koch vom Stadtarchiv
Karlsruhe.
Zu den
bedrückendsten Exponaten gehört der so genannte Buchenwald-Zyklus. 27 kleine
Aquarelle halten die schrecklichen Erlebnisse von Johannes Steyer im
Konzentrationslager Buchenwald fest. Fast eine halbe Million Menschen hat die
Ausstellung an über 270 Orten bisher besucht.
Günther
Pape, ehemaliger Zeuge und Buchautor, wendet ein, dass es keinen geschlossenen
Widerstand der "Ernsten Bibelforscher" gegeben habe: "Vom
Verhalten Einzelner kann man nicht auf alle schließen." Ob im
Hintergrund der Ausstellung, wie Pape meint, die gegenwärtigen Bemühungen
der Zeugen stehen, als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt zu
werden? Das Verfahren ist beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
anhängig.
Die
Ausstellung wird noch bis zum 20. April gezeigt; sonntags bis freitags ist sie
von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung gibt
es Begleitveranstaltungen mit Zeitzeugen und Historikern. ALBERT
KÄUFLEIN
Siehe auch:
Standhaft trotz Verfolgung -
Karlsruhe
Rückblick der Veranstaltung
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