Quelle: Elztäler Wochenbericht - Donnerstag, den 30. März 2000

"Standhaft trotz Verfolgung"
Bilanz einer erfolgreichen Ausstellung
Unerwartet hohe Resonanz zeugt von notwendigem Aufklärungsbedarf - 
Informationen aus erster Hand

Waldkirch. Die Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung - Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime" hat am Donnerstag ihre Pforten geschlossen. Mit 600 Besuchern bei der Eröffnungsveranstaltung am vergangenem Sonntag und über 900 Ausstellungsbesuchern wurden die Erwartungen der Waldkircher Gemeinde der Zeugen Jehovas bei weitem übertroffen.

Die Wanderausstellung, die auf 50 Schautafeln das Schicksal der Bibelforscher während des NS-Regimes dokumentierte, war im Foyer der Stadthalle zu sehen. Neben umfassendem Anschauungsmaterial und der Möglichkeit, eine Videodokumentation in en Ausstellungsräumlichkeiten zu betrachten, wurde vor allem von der Jugend die Gelegenheit geschätzt, mit den anwesenden Zeitzeugen Georg und Walter Schmidt ins Gespräch zu kommen. Insgesamt zehn Schulklassen - davon acht aus dem Geschwister-Scholl-Gymnasium - nutzten die Gelegenheit, eine Schulstunde ihres Geschichts- bzw. Religionsunterricht auf der Ausstellung zu verbringen. Ein Lehrer, der mit drei Schulklassen in Folge diese Form der Unterrichtsgestaltung wählte, konnte die Führung der Schüler durch die Ausstellung bei der letzten Gruppe selbst übernehmen. Sowohl die Lehrer als auch die Schüler waren von den Gesprächen mit den Zeitzeugen beeindruckt. So hörten sie die Verfolgungsgeschichte von Zeugen Jehovas, deren "Verbrechen" es war, den "Deutschen Gruß" und den Kriegsdienst zu verweigern, aus erster Hand.
Die Reaktionen der Besucher auf die gezeigten Bilder und Gespräche zeigen, dass durch diese Ausstellung zum Nachdenken angeregt wurde. Eine Besucherin schrieb ins Gästebuch: "Sehr beeindruckend, ergreifend, beschämend. Diese Ausstellung werden hoffentlich viele Menschen wahrnehmen - auch als Signal, Schweigen zu durchbrechen." Ein weiterer Besucher: "Es geht bis ins Herz - es sollte sich nie wiederholen." "Nie wieder Krieg - nie wieder Krieg!" ist der Aufruf eines anderen Besuchers.

Meilenstein in der Gemeindechronik
Helmut Koch, der Vorsitzende der Waldkircher Gemeinde der Zeugen Jehovas, bedankte sich bei allen, die die Ausstellung im Elztal ermöglicht haben. Die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, insbesondere mit Frau Bruns, und die Unterstützung der Hallenmeister Schweikert und Zink haben für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Die Grußworte von Herrn Hennefahrt und das Referat von Prof. Dr. Wette bei der Eröffnungsveranstaltung waren Höhepunkte dieser arbeitsreichen Woche. Einen besonderen Dank richtete Koch an die anwesenden Zeitzeugen Georg (74) und Walter Schmidt (80). Beide standen trotz ihres hohen Alters die ganze Ausstellungswoche den Besuchern Rede und Antwort. Für die Gemeinde der Zeugen Jehovas in Waldkirch, die in vielen Arbeitsstunden sich auf die Ausstellung vorbereitet hatte, ist der erfolgreiche Verlauf ein Meilenstein in der Gemeindechronik.
Alle, die keine Gelegenheit hatten, die Ausstellung zu besuchen, können sich im Internet unter der Adresse "www.standhaft.org" über diese Thematik informieren. Auf dieser privaten Homepage kann man auch nochmals das ausgezeichnete Referat von Prof. Dr. Wette nachlesen. Die Ausstellungstafeln werden nun von Waldkirch nach Karlsruhe transportiert, wo in zwei Wochen eine ähnliche Veranstaltung stattfinden wird.

Siehe auch:

Die Opfer der Zeugen Jehovas
Badische Zeitung, 22. März 2000

Jehovas Zeugen verweigerten sich Hitlers Kriegen 1939-45
Rede von Prof. Dr. Wolfram Wette

Widerstand aus christlicher Überzeugung
Elztäler Wochenbericht - Donnerstag, den 16. März 2000

 

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