|
Zeugen Jehovas eröffnen "Standhaft"-Ausstellung
im Ständehaus
Tafeln erinnern an Gräueltaten
Historiker und Zeitzeugen sprechen / Yonan-Vortrag fraglich
Achim Winkel
Gegen das Vergessen der Gräuel und das Wegsehen will sich die
Ausstellung “Standhaft trotz Verfolgung – Jehovas Zeugen unter dem
NS-Regime” wenden, die seit gestern im Ständehaus zu sehen ist. Zur
Eröffnung der Ausstellung mit etwa 50 teilweise bedrückenden, weil
sehr persönlich gehaltenen Schautafeln, die zuvor schon in 270 anderen
Gemeinden zu sehen waren, sagte Johannes J. Bernecker,
Pressesprecher der Zeugen Jehovas in Baden-Württemberg, man wolle
auch Stellung beziehen gegen die Ausgrenzung anderer Minderheiten
und “nicht nur für die eigene Gemeinschaft Toleranz einwerben”.
Michael Kißener, dessen an der Universität Karlsruhe angesiedelte
Forschungsstelle Widerstand zu den Mitveranstaltern gehört, betonte
gestern bei der Pressekonferenz, ihm sei es ebenso wie Hubert Roser,
Historiker und Autor der Studie “Widerstand als Bekenntnis: Die Zeugen
Jehovas und das NS-Regime in Baden und Württemberg” darauf
angekommen, die historische Wirklichkeit zu dokumentieren. Er verwies
auf den Anpassungsversuch der Zeugen Jehovas an die Nazi-Politik, der
aber ebenso wie ähnliche Versuche anderer Gruppierungen misslang.
Michael Heck, Kulturreferent der Stadt, sprach bei der
Ausstellungseröffnung die “Linie des Erinnerns” an, die die Stadt
Karlsruhe seit langem verfolge. Er wertete die Ausstellung als
“Aufklärungsarbeit für unsere Generation”. Werner Rudtke, Vizepräsident der deutschen Wachtturmgesellschaft in Selters, wies
allerdings entschieden den Vorwurf des Anbiederungsversuches an Hitler zurück (die BNN berichteten).
Die bis zum 20. April im Ständehaus gezeigte Ausstellung sowie
Aquarelle von Johannes Steyer über die Gräuel im Konzentrationslager
Buchenwald dokumentieren den Leidensweg der Zeugen Jehovas in der
Hitlerzeit. Etwa 1 000 der damals insgesamt 25 000 deutschen Zeugen
Jehovas wurden Opfer — beispielsweise durch Haft im Gefängnis oder im
Konzentrationslager. Etwa 1 200 von ihnen fanden den Tod. Neben der
Ausstellung von Zeitdokumenten im Ständehaus (geöffnet sonntags bis
freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 14 Uhr) gibt es auch eine kleine
Veranstaltungsreihe, bei der neben Zeitzeugen auch Historiker zu Wort
kommen. Der Vortrag über die in Plötzensee hingerichtete Zeugin Jehova
Emmy Zehden, den die für Scientology unterstützend aufgetretene
Gabriele Yonan halten sollte, wird möglicherweise nicht stattfinden.
Stattdessen wird der Historiker Hans Hesse über die Verfolgung
der
Zeuginnen Jehovas in den Konzentrationslagern Moringen, Lichtenburg
und Ravensbrück referieren.
Siehe auch:
Standhaft trotz Verfolgung -
Karlsruhe
Rückblick der Veranstaltung
Widerstand als Bekenntnis: Die
Zeugen Jehovas ...
Buchbeschreibung
|
|